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Archive for Januar 2010

Als PDF:  Die Probleme der Gesellschaft und deren Ursachen – Freitagsansprache 29.01.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

 

وَهُوَ الَّذِي يُنَزِّلُ الْغَيْثَ مِن بَعْدِ مَا قَنَطُوا وَيَنشُرُ رَحْمَتَهُ وَهُوَ الْوَلِيُّ الْحَمِيدُ

 

Und Er ist es, Der den Regen hinabsendet, nachdem sie verzweifelten, und Seine Barmherzigkeit ausbreitet. Und er ist der Beschützer, der Dankpreiswürdige. [i]

Imam Sadiq (a.) sagte:

Wessen Herz an diese Welt gebunden ist, dessen Herz ist gleichzeitig auch an drei Eigenschaften gebunden.

  1. Einen Kummer, der nie enden wird.
  2. Einen Wunsch, der nie in Erfüllung gehen wird.
  3. Einer Hoffnung, die (deren Gegenstand) nie erreicht wird. [ii] 

Die Probleme der heutigen Gesellschaft und deren Ursachen

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

Ein Jeder, der von dem Segen und den Vorteilen einer Gesellschaft profitiert, muss sich auch um die Probleme der Gesellschaft kümmern und im Rahmen seiner Möglichkeiten alles Mögliche tun, um sie zu beseitigen oder einer Lösung beizutragen.

Eines der wichtigsten Probleme unserer heutigen Gesellschaft ist die “Ziellosigkeit” oder die “falsche Orientierung” der Menschen. Die heutige Gesellschaft, insbesondere die Jugend, hat keine Ziele, die der Schöpfungsphilosophie entsprechen. Sie denken, das Ziel der Schöpfung ist mit dem materiellen Diesseits begrenzt und sie streben nur nach der bestmöglichen Gestaltung ihres eigenen, materiellen Daseins. Für das Erreichen dieses rein materiellen Ziels und des eigenen Wohls betrachten sie alles, was für das Erreichen dieses Ziels notwendig ist, als erlaubt und legitim. Die Jugend und die Menschen heute haben keine positiven Erwartungen von der Zukunft und versuchen lediglich ihren jetzigen Zustand bestmöglich zu verwerten.

Leider werden die Menschen heutzutage fehlorientiert und es werden ihnen falsche Ziele auferlegt. Die Menschen werden falsch erzogen und genau aus diesem Grund stellen sie selber ein Problem dar, anstatt einen Beitrag für die Lösung der individuellen und allgemeinen Probleme der Gesellschaft, zu leisten.

Liebe Gläubige!

Der Islam lehrt uns, dass die Schöpfung und das Leben ein Ziel und einen Sinn hat und der Islam zeigt uns die Wege, was zu tun ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Im heiligen Qur´an lesen wir wie folgt:

أَفَحَسِبْتُمْ أَنَّمَا خَلَقْنَاكُمْ عَبَثاً وَأَنَّكُمْ إِلَيْنَا لَا تُرْجَعُونَ

Rechnet ihr euch denn aus, wir haben euch erschaffen in Sinnlosigkeit, und ihr werdet nicht zu uns zurückgebracht? [iii]

Aus diesem Vers des heiligen Qur´ans wird deutlich, dass jede Schöpfung und auch die Schöpfung des Menschen, einen Sinn hat. Die Menschen sind nicht ziellos und ohne Sinn und nur zufällig erschaffen worden. Dieser Vers lehrt uns ferner, dass das Menschenleben nicht nur mit dem irdischen Diesseits begrenzt ist.

Der Gesandte Allah´s (s.) sagte:

Zu den schlechtesten unter den Menschen zählt der, der sein Jenseits für sein Diesseits verkauft. Und noch schlechter als jener ist der, der sein Jenseits für das Diesseits eines anderen verkauft. [iv]

Allah, der Erhabene hat die Erde, die Himmel, die Berge und alle anderen Wesen und Lebewesen nur für den Menschen erschaffen. Alles Geschaffene ist nur für den Menschen und für dessen Schöpfungsziel erschaffen worden. Nur damit der Mensch sein Ziel erreicht, sind ihm alle Gaben der Welt zur Verfügung gestellt worden.

Wenn also alles Erschaffene für den Menschen erschaffen worden ist, weshalb wurde dann der Mensch erschaffen? Was ist die Philosophie und der Sinn der Schöpfung des Menschen?

Imam Ali (a.) sagte in diesem Bezug:

„Allah segne denjenigen, der weiss woher er kam, wo er sich befindet und wohin seine Reise führt.“

Imam Ali (a.) lehrt uns mit dieser Überlieferung, dass die Schöpfungsphilosophie in drei Etappen verstanden werden kann:

a)    Das Kennen des Schöpfers

b)    Zu wissen, wo man lebt und warum man erschaffen worden ist

c)     Zu wissen, wohin der Weg nach dem Tod führt und was nach dem Tod passieren wird.

Die Antwort dieser Fragen bringt uns der Schöpfungsphilosophie näher und hilft uns sie zu verstehen.

Eines der größten Probleme unserer heutigen Gesellschaft besteht darin, dass die Menschen nicht wissen, weshalb sie erschaffen worden sind und sie sich nicht bemühen, dies zu lernen. Es ist unumgänglich, dass ein zielloser Mensch in erster Linie selbst ein Problem darstellt. Derjenige, der die Schöpfungsphilosophie nicht kennt und sie nicht anstrebt, oder denkt, das Leben bestünde nur aus dem Diesseits, denkt in erster Linie nur an sich selbst. Die Probleme anderer interessieren ihn daher auch nicht.

Derjenige, der nicht weiss, weshalb er erschaffen worden ist, wird entweder orientierungslos leben oder aber falsche Ziele verfolgen. In beiden Fällen, stellt er ein Problem für die Gesellschaft dar.

– Derjenige, der kein Ziel vor den Augen hat, hat auch keine Erwartungen und Hoffnungen von der Zukunft. Er verfällt in Hoffnungslosigkeit und führt ein Leben ohne Liebe und Begeisterung.

– Da er das Schöpfungsziel nicht kennt, denkt er egoistisch und in erster Linie nur an sich und seine eigenen Vorteile. Der Mittelpunkt seines Lebens besteht aus seinen eigenen Vorteilen.

– Er beachtet nicht die Rechte anderer.

– Derjenige, der denkt, das Dasein bestünde nur aus dem Diesseits, beachtet Rechte anderer nicht und wenn es keine irdischen Strafen mit sich bringen würden, würde er auch überall die Gesetze beachten. Rechte anderer interessieren nicht.

Somit stellt der Mensch, der die Schöpfungsphilosophie nicht kennt, oder orientierungslos lebt, eine Ursache für die Probleme der Gesellschaft. dar.  Er selbst wird zum Problem der Gesellschaft. Viele ziellose Menschen verfallen in Depressionen, Stress, begehen Selbstmord, wenden Gewalt an, werden Alkohol- oder Drogenabhängig. Im gesellschaftlichen Leben bringt dies Probleme wie Mord, Vergewaltigung, Gewalt, Raub usw. mit sich. Global betrachtet führt es zu Ausbeutung, Besatzung und Krieg.

Die Religion zeigt dem Menschen seine Ziele. Sie lehrt und zeigt uns die Ziele der Schöpfung. Sie lehrt uns, dass es neben dem individuellen Leben auch ein gesellschaftliches Dasein existiert, für dessen Fortschritt wir uns alle zu kümmern haben.

Dem Menschen heute und vor allem der Jugend müssen die Ziele des Lebens und die Schöpfungsphilosophie gezeigt und gelehrt werden. Die Religion lehrt uns, dass der Mensch neben seinem materiellen Körper auch eine spirituelle Seite hat. Sie lehrt uns, dass der Mensch ein Geist besitzt, was die Wahrheit seiner Existenz ausmacht.

Das größte und wichtigste Problem der heutigen Gesellschaft ist, dass die Menschen, das Ziel der Schöpfung nicht kennen und sich falsche Ziele vornehmen. Daraus resultierend sind individuelle und gesellschaftliche Probleme unausweichlich.

Imam Sadiq (a.) sagte: Die Liebe zum Weltlichen ist der Ausgangspunkt allen Übels. [v]

Möge Allah uns helfen, den Sinn des Lebens zu verstehen

Möge Allah uns dazu verhelfen ein Leben zu führen, was zu Seiner Zufriedenheit führt.

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

 


[i] Heiliger Qur´an, Asch-Schura, 28

[ii] Al-Kafi, B.2, S.320

[iii] Heiliger Quran, Al-Muminun, 115

[iv] Bihar-ul-Anwar, Teil 77, S. 46

[v] Al-Kafi, B.2, S.317

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PDF Version: Die Probleme der Gesellschaft und deren Lösungen – Freitagsansprache 22.01.2010

Die Probleme der Gesellschaft und deren Lösungen

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

يَاأَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ وَالَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

 

Oh ihr Menschen, dient eurem Herrn, demjenigen, der euch erschaffen hat und diejenigen vor euch, damit ihr gottesfürchtig sein möget. [i]

 Imam Zain-ul-Abidin (a.) sagte:
„Gewiss ist das Recht deines Nachbar, Ihn (und sein Anwesen) zu hüten, wenn er abwesend ist, ihn zu ehren, wenn er anwesend ist und ihm zu helfen, wenn er unterdrückt wird. Verfolge nicht seine Fehler. Wenn du über ihn etwas Schlimmes erfährst, verbirgst du es. Wenn du weißt, dass er deinen Rat akzeptiert, berätst du dich mit ihm. Lass ihn nicht im Stich in schweren Zeiten, hilf ihm aus der Verlegenheit, vergib ihm seine Fehler und pflege mit ihm ein ehrenhaftes Zusammenleben.“[ii]

Die Probleme der Gesellschaft und deren Lösungen

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

In unserer letzten Ansprache haben wir als eine Einleitung über die Probleme unserer Gesellschaft gesprochen und darauf aufmerksam gemacht, dass es die Pflicht aller Muslime ist, einen konstruktiven Beitrag für die Lösung der Probleme zu leisten. Hierfür müssen wir zuerst die Probleme der Gesellschaft kennen. Ohne das Problem zu kennen, kann man auch keinen Lösungsweg vorschlagen. Oder wenn man die Probleme falsch wahrnimmt, gar sie bewusst falsch wiedergibt, wird es ebenso kein befriedigendes Resultat geben und zur Lösung der Probleme beitragen können.

1. Schritt: Einblick über den Zustand der Gesellschaft

Als erstes müssen wir uns einen Einblick über die soziale Lage der Gesellschaft beschaffen. Die ethisch-moralischen Werte, die religiösen Strömungen und die wirtschaftlich-politische Lage der Gesellschaft müssen wir zunächst einmal analysieren, um zu wissen in was für einer Gesellschaft wir leben und was wir für den Fortschritt beitragen können.

2. Schritt: Die Lösung anstreben

Der zweite Schritt besteht darin, sich für die Lösung der Probleme zu bemühen. Derjenige, der sich für eine konstruktive Lösung der Probleme einsetzen möchte, muss sich als ein Mitglied und ein Teil der Gesellschaft verstehen. Er muss die Gesellschaft, in der er lebt, als seine Eigene betrachten. Unbeachtet der Religion oder Herkunft, muss man jeden Menschen in erster Linie als ein Mitglied der Gesellschaft verstehen.

 Der Gesandte Allah´s sagte:

Ein jeder von Euch ist ein Mitglied der Gesellschaft und ein jeder von euch hat Verantwortung über die Gesellschaft.“

Der Gesandte Allah´s verkündet, dass die Gesellschaft aus einzelnen Mitgliedern besteht und jedes Individuum gegenüber der Gesellschaft eine Verantwortung trägt. Man trägt nur gegenüber etwas Verantwortung, was einem gehört. Der Mensch kann nicht über etwas verantwortlich gemacht werden, was ihm nicht gehört. Die Gesellschaft jedoch gehört uns allen und wir haben alle ihr gegenüber, unsere Pflichten.

Imam Ali (a.) wies Malik al-Aschtar an, als er ihn zum Gouverneur von Ägypten einsetzte:

„ Lass Dein Herz Barmherzigkeit gegenüber den Untertanen (Volk) fühlen sowie die Liebe und Freundlichkeit Ihnen gegenüber, … denn sie sind von zweierlei Art: Entweder dein Bruder in der Religion, oder dir in der Schöpfung gleich.“ [iii]

Imam Ali (a.) weist an, dass es keine Sonderbehandlungen aufgrund der Herkunft oder des Glaubens geben darf. Die gesellschaftliche Gerechtigkeit bedarf es so, dass keiner ungerecht behandelt wird. Sowohl die leitenden Verantwortlichen der Gesellschaft als auch die einzelnen Mitglieder müssen sich als ein Teil der Gesellschaft und die Gesellschaft als ihre eigene betrachten. Sonst kann es keine Gerechtigkeit in der Gesellschaft geben und auch keine Lösungen für die Probleme. Denn derjenige, der die Gesellschaft nicht als seine eigene Gesellschaft versteht, wird sich auch mit den Problemen der Gesellschaft beschäftigen und  um Lösungen bemüht sein.

3. Schritt: Lösungen und Auswege

Der dritte Schritt ist das Finden von Lösungen für die Probleme. Nicht jeder Vorschlag ist gleich eine Lösung. Die Lösungsvorschläge und Ideen müssen die gesamte Gesellschaft umfassen und nicht nur einen bestimmten Teil der Gesellschaft. Die Unterschiedlichkeiten in der Gesellschaft müssen hierbei in Betracht gezogen werden. Neben den materiellen und irdischen Bedürfnissen müssen auch die geistig-spirituellen Bedürfnisse der Menschen angesprochen werden. Die Vervollkommnung der Gesellschaft und dessen Mitglieder muss angestrebt werden. Die Stimmen der Proteste dürfen nicht nur mit einer vorübergehenden Befriedigung leise gemacht werden. Die Lösungsvorschläge müssen dem geistigen Zustand der und der Natur des Menschen entsprechen.

Ein jedes Mitglied der Gesellschaft sollte seine Fähigkeiten und seine Profession in den Dienst der Gesellschaft stellen. Die Gesellschaftlichen Bedürfnisse müssen vor der eigenen Karriere stehen. Zuerst muss das Wohl der Gemeinde und der Gesellschaft angestrebt werden, dann das eigene Wohl. Ein jeder von uns sollte in dem Bereich, in dem er was beitragen kann, zum Vorschein bringen und sie im Wohle der Gesellschaft einsetzen.

„Gott zu dienen, ist dem Volk zu dienen“, oder „dem Volk zu dienen ist Gottesdienst“. Dieses Prinzip muss zum Grundsatz für unser Handeln werden.

Wir Muslime, die in dieser Gesellschaft leben, sehen uns als ein Teil dieser Gesellschaft. Diejenigen, die dies nicht so sehen, müssen sich damit abfinden, dass wir auch ein Teil der Gesellschaft sind. Wir müssen uns die Gesellschaft aneignen, sie als die Unsere betrachten. Und wir Muslime müssen unserer Pflicht bewusst werden und sie in die Tat umsetzen. Wir müssen uns für einen konstruktiven Beitrag bemühen.

Bei der Feststellung der Probleme der Gesellschaft haben Geistliche eine ganz besondere Rolle. Es ist nicht zu leugnen, dass die Geistlichkeit aufgrund ihrer Position, mit den Menschen im engen Kontakt steht und den stärksten Dialog mit ihnen führt. Daher kann die Feststellung der Probleme aus ihrer Sicht glaubhaft sein. Und sie können die Probleme aus ihrem Spezialgebiet aus betrachten. Sie können die Probleme aus der religiösen Perspektive betrachten.

Bei der Einbringung von Lösungen kann die Geistlichkeit zu religiösen Quellen zurückgreifen. Denn niemand hat der Menschheit mehr Dienste erwiesen, als die Propheten. Die besten Lösungswege stammen von den Propheten. Denn nur Gott, als Schöpfer des Menschen, kann dem geistigen Zustand und der Natur des Menschen entsprechende Lösungswege, zeigen. Denn nur Gott, kennt alle Besonderheiten und die Bedürfnisse des Menschen und Er weiß, wie die Bedürfnisse gestillt werden können.

Im heiligen Qur´an lesen wir:

 

فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفاً فِطْرَةَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ذَلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ

 

So richte dein Antlitz auf die Religion als Hingewandter; der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen geschaffen hat. Allahs Schöpfung ist nicht eintauschbar. Das ist die beständige Religion. Allein die meisten Menschen wissen es nicht. [iv]

In diesem Vers sind einige besondere Punkte, die wir beachten sollten:

a)     Es fordert uns auf unser Antlitz auf die Religion zu richten.

b)     Der Mensch ist mit einer natürlichen Veranlagung gegenüber der Hingabe und der Religion geschaffen.

c)      Diese Natur des Menschen ist nicht veränderbar

d)     Die Religion ist beständig, sie ist lebendig,

e)     Nur die meisten Menschen, wissen es nicht

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die die Wahrheit sehen

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die der Gesellschaft dienlich sind

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die sich für die Etablierung der Gerechtigkeit  in der Gesellschaft einsetzen

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

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Das Gebet – Die Probleme der Gesellschaft – Freitagsansprache 15.01.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

 Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

 وَالْمُؤْمِنُونَ وَالْمُؤْمِنَاتُ بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ يَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَيُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَيُؤْتُونَ الزَّكَاةَ وَيُطِيعُونَ اللَّهَ وَرَسُولَهُ أُولَئِكَ سَيَرْحَمُهُمُ اللَّهُ إِنَّ اللَّهَ عَزِيزٌ

Und die überzeugten Männer und die überzeugten Frauen, einige von ihnen sind Freund von anderen: Sie gebieten das Gute und verbieten das Böse und verrichten das Gebet und lassen die Zakat zukommen und gehorchen Allah und seinem Gesandten. Diese sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Wahrlich, Allah ist Erhaben, Allurteilend. [1]

 Der Gesandte Allah´s  (s) sprach:

„Wer Schlechtes sieht, der verwehre es durch seine Hand (durch sein Eingreifen), wenn er dazu imstande ist. Wenn er dazu nicht imstande ist, dann durch sein Wort. Ist er dazu auch nicht imstande, dann soll er es in seinem Herzen verwehren (ablehnen).“ [2]
 

 1. Ansprache

Das Ritualgebet [صلاة]

 Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

das Ritualgebet ist die erste und bedeutsamste Handlungspflicht unter den Zweigen der Religion [furu’ad-din].

Das Ritualgebet ist der beste Anlass für ein regelmäßiges Zusammentreffen und einem Dialog zwischen dem Schöpfer allen Seins -Allah, dem Erhabenen-  und dem Menschen. Für einen erwachsenen Muslim ist es eine religiöse Pflicht und die wertvollste Handlung, die täglichen 5 Pflichtgebete zu verrichten.

Allah braucht unsere Gebete und Niederwerfungen nicht, aber wir brauchen das Gebet und die Andacht, um uns dem Schöpfer nähern zu können und von seiner unendlichen Liebe schöpfen zu können.

Ein Gläubiger, der 5 Mal am Tag das Ritualgebet verrichtet, hält seinen Kontakt zu Gott stets aufrecht und das Gebet beschützt ihn vor schändlichen Dingen.

Im heiligen Qur´an lesen wir über das Ritualgebet:

اتْلُ مَا أُوحِيَ إِلَيْكَ مِنَ الْكِتَابِ وَأَقِمِ الصَّلَاةَ إِنَّ الصَّلَاةَ تَنْهَى عَنِ الْفَحْشَاء وَالْمُنكَرِ وَلَذِكْرُ اللَّهِ أَكْبَرُ وَاللَّهُ يَعْلَمُ مَا تَصْنَعُونَ

Rezitiere das, was dir von dem Buche offenbart wurde, und verrichte das Gebet. Wahrlich, das Gebet hält von schändlichen und abscheulichen Dingen ab; und Allahs zu gedenken, ist gewiss das Höchste. Und Allah weiß, was ihr begeht. [3]

Liebe Gläubige,

leider nehmen viele von uns, das Ritualgebet auf die leichte Schulter, obwohl es die wichtigste und die beste aller Handlungen überhaupt, ist.

Der Gesandte Gottes (s.) sprach:

„Wer das Gebet auf die leichte Schulter nimmt, gehört nicht zu mir. Wahrlich, niemals wird er sich am Paradiesbrunnen (der Ort des göttlichen Segens) bei mir einfinden.“ [4]
 

So sollten wir darauf achten, dass wir unsere Gebete rechtzeitig und mit höchster Konzentration und voller Hingabe zum Schöpfer verrichten, um von der unendlichen Gnade und Barmherzigkeit Gottes, schöpfen zu können.

Imam Ali (a.s) sprach:

„Wenn der Betende wüsste, was ihm an Barmherzigkeit zukommt, würde er seine Stirn niemals aus der Niederwerfung (Sadschad) erheben.“ [5]
 

Das Gedenken an Allah und das regelmäßige Ritualgebet sind Nahrungen für Geist und Seele. Der Mensch, der in schwierigen Zeiten, sein Gebet und die Bindung zu Allah, aufrecht erhält, erleichtert sich von seinen Problemen, da die irdischen Probleme im Hinblick auf die majesetätische Herrlichkeit des Schöpfer´s, klein und nichtig vorkommen. Die Seele und der Geist finden mit den täglichen Gebeten innere Ruhe und Frieden und der Mensch füllt sich mit Spiritualität.

Im heiligen Qur´an lesen wir:

الَّذِينَ آمَنُواْ وَتَطْمَئِنُّ قُلُوبُهُم بِذِكْرِ اللّهِ أَلاَ بِذِكْرِ اللّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ

Es sind jene, die überzeugt sind und deren Herzen Trost finden im Gedenken an Allah. Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig. [6] 

Prophet Muhammad (s.)sagte:

„Bete zu Gott, als würdest du Ihn sehen, und auch wenn du Ihn nicht siehst, so sieht Er dich.“ [7]
 

 

 
 

 

2. Ansprache

 Die Probleme der Gesellschaft und unsere Pflichten

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

Ein jeder Muslim ist verpflichtet, den konstruktiven Fortschritt der Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Daher müssen wir uns über die Probleme unserer Zeit und unserer Gesellschaft, Gedanken  machen um sie bestmöglich zu lösen.

In dieser Freitagsansprache wollen wir über die Probleme unserer Gesellschaft sprechen:

  • Was sind die Probleme der Gesellschaft?
  • Was sind die Probleme der Muslime, insbesondere der jungen Generation in dieser Gesellschaft?
  • Welche Ursachen haben die Probleme, woher kommen diese Probleme?
  • Was sind die Wege zur Bekämpfung dieser Probleme?
  • Und was sind unsere Pflichten und Aufgaben?

 

Wir Muslime, die in Europa leben, sind ein Teil dieser Gesellschaft. Ausländer, insbesondere Muslime, die in Deutschland oder anderen europäischen Ländern leben, werden entweder als Fremde, Gäste oder gar als Menschen, die woanders hingehören, betrachtet. Wir Muslime sehen dies aber nicht so. Wir sehen uns aber als ein Teil dieser Gesellschaft, auch wenn wir eine andere Religion haben, als die Mehrheit der Gesellschaft.

Diejenigen, die uns Muslime als Fremde sehen und meinen, unser Glaube würde für die Gesellschaft, ein Problem darstellen, irren sich. Sie verdeutlichen mit dieser Meinung nur, dass sie den Kern und die Ursache der Probleme der Gesellschaft, nicht kennen.

Einige, die dem Islam und allgemein der Religion gegenüber feindlich gesinnt sind, machen die Muslime, für die Probleme der Gesellschaft, verantwortlich. Da die Muslime ein Teil dieser Gesellschaft sind, gibt es auch natürlich hin und wieder Probleme und Schwierigkeiten, aber diese Probleme rühren nicht vom Islam. Die Religion kann nichts dafür, wenn sich Menschen falsch verhalten. Der Islam stellt nie ein Problem dar. Ganz im Gegenteil: Der Islam zeigt uns Wege und Pläne zur Lösung der Probleme.

Einander Kennen lernen, Vertrauen aufbauen und gemeinsam handeln

 

Es ist unmöglich, Probleme der Gesellschaft gemeinsam lösen zu wollen, wenn sich die Individuen und Einzelne Mitglieder der Gesellschaft, gegenseitig misstrauen. Ohne gegenseitiges Vertrauen, kann es auch keine gemeinsamen Aktionen geben. Um die Probleme der Gesellschaft gemeinsamen anzugehen, muss erst Vertrauen unter den einzelnen Gruppen der Gesellschaft, geschaffen werden. Das Vertrauen entsteht jedoch nur, wenn man sich gegenseitig kennt. Ich habe das zwar des öfteren, in verschiedenen Plattformen gesagt, und möchte es an dieser Stelle erneut unterstreichen: „Das Gemeinsame Handeln hängt vom gegenseitigem Vertrauen. Das Vertrauen kann nur durch das Kennen lernen entstehen. Der Weg zum Kennen lernen ist das Gespräch und der Dialog.“

 

Ein jeder, der einen andersgläubigen oder jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennen lernen möchte, muss diesen Menschen durch eigene, persönliche Erfahrungen „selber“ kennen lernen und nicht auf Erzählungen oder Beschreibungen anderer, eine Meinung über sie bilden. Das Kennen lernen muss vorurteilsfrei, parteilos und gerecht erfolgen. Wir müssen uns einander vorurteilsfrei nähern.

Da wir einander nicht kennen, begegnen wir uns auch immer mit Vorurteilen und haben Angst, uns Näher zu kommen. Das genau ist der Ursprung des Problems.

Im heiligen Qur´an offenbart Allah, der Allmächtige:

يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَاكُم مِّن ذَكَرٍ وَأُنثَى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوباً وَقَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِندَ اللَّهِ أَتْقَاكُمْ إِنَّ اللَّهَ عَلِيمٌ خَبِيرٌ 

Oh ihr Menschen, wir haben euch aus Männlichem und Weiblichem erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen errichtet, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Wissend, Kundiger. [8]

Dieser Vers des heiligen Qur´an, spricht in erster Linie den Menschen an, abgesehen von Religion oder Herkunft. Hier sind alle Menschen angesprochen. Dieser Vers handelt von Dialog und dem gegenseitigen Kennen lernen.

Natürlich hat jede Gesellschaft Probleme und Schwierigkeiten und ein jeder von uns muss sich über die Probleme der eigenen Gesellschaft im Klaren sein. Denn wir haben alle Verantwortungen, Aufgaben und Pflichten gegenüber der Gesellschaft, in der wir leben. Wenn wir nicht den Grund und die Ursache der Probleme kennen, können wir auch keine Lösungen finden. Um unserer Pflicht gegenüber der Gesellschaft gerecht zu werden, müssen wir zunächst die Probleme der Gesellschaft kennen. Diejenigen, die sich nicht den gesellschaftlichen Aufgaben stellen, handeln aus purem Egoismus und haben keinerlei Einfluss auf die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaft. Sie können auch bei der Lösung der Probleme nichts beitragen.

Da wir hier, in Europa, bzw. in Deutschland leben, sind wir ein Teil dieser Gesellschaft und die Probleme dieser Gesellschaft sind somit auch unsere Probleme. Wir haben die religiöse Pflicht, zur Lösung der Probleme, beizutragen. Zumindest müssen wir uns darum bemühen.

Der Islam vergleicht die Gesellschaft mit einem Schiff. Die Menschen sind die Passagiere des Schiffes. Jeder Passagier hat die Aufgabe, sich darum zu bemühen, dass das Schiff das Land erreicht. Die Prinzipien „Das Gute gebieten und das schlechte verwehren“[9] verkündet die Verantwortung eines jeden Menschen, gegenüber seiner Gesellschaft und seiner Umgebung. Ein jeder von uns ist ein Passagier dieses Schiffes und wir müssen uns alle bemühen, dieses Schiff heil und unversehrt an Land zu steuern.

Im heiligen Qur´an lesen wir über das Prinzip „Das Gute gebieten und das schlechte verwehren“ in verschiedenen Versen, wie z.B.:

وَلْتَكُنْ مِنْكُمْ أُمَّةٌ يَدْعُونَ إِلَى الْخَيْرِ وَيَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَأُولَئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ

Und aus euch ist eine Muttergemeinde, sie rufen zum Guten und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese, sie sind die Erfolgreichen. [10]

Imam Ali (a.) sagte diesbezüglich:

„Fordere andere auf Gutes zu tun; so wirst du zu den Rechtschaffenen zählen. Nimm Abstand vom Schlechten durch deine Taten und Reden und bleib nach Möglichkeit demjenigen fern, der dies (Schlechtes) begeht; bemühe dich auf dem Wege Allahs, wie es Ihm gebührt. Und die Verunglimpfung eines Schmähers sollte dich in Sachen Allahs nicht weiter abschrecken. Stürze dich für die Wahrheit in Gefahr, wo es auch sein mag.“ [11]

Wir müssen bemüht sein, die Wahrheiten unserer Gesellschaft und die entstehenden Probleme überblicken zu können, um die Ursache und den Kern des Problems zu identifizieren, damit wir sie lösen können.

Jedes einzelne Problem, führt zu weiteren Problemen und dadurch zu einer langsamen, aber dauerhaften Zerstörung der Gesellschaft. Dies führt dazu, dass alle Menschen der Gesellschaft darunter leiden. Jedes einzelne Problem wird zu einem Hindernis für die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaft. Sie verhindert, dass die Menschen mit Hoffnung, Liebe und Zuversicht in die Zukunft entgegensehen. Wenn die Probleme der Gesellschaft nicht gelöst werden, kann auch keine gesunde Gesellschaft entstehen. Daher müssen die Probleme und die Schäden, die sie der Gesellschaft zufügen, bei Namen benannt und nach Lösungswegen gesucht werden. In unseren nächsten Ansprachen werden wir über diese Themen detaillierter zu sprechen kommen, so Gott will.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die sich mit den Problemen der Menschen befassen.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die zu einer konstruktiven Entwicklung der Gesellschaft, aktiv beitragen.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die ihre Pflichten und Aufgaben sehen und sie wahrnehmen.

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“ 


[1] Heiliger Qur´an, At-Tauba, 71

[2] Wasa’il-usch-Schi’ah, B. 16, S. 135

[3] Heiliger Qur´an,  Al-Ankabut, 45

[4] Man la yadhuruh-ul-Faqih, B.1, S.206

[5] Ghurar-ul-Hikam, S.175, Zitat Nr. 3347

[6] Heiliger Qur´an, Ar-Ra´d , 28

[7] Nahj al-Fasahateh, Seite 65

[8] Heiliger Qur´an, Al Hudschurat, 13

[9] [الامر بالمعروف و النهى عن المنك ] Gutes Gebieten und Schlechtes verwehren sind zwei der Prinzipien der Zweige der Religion [furu’ad-din] die direkt aneinander gekoppelt sind. Eslam.de

[10] Heiliger Qur´an, Aal Imran, 104

[11] Nahdschul Balagha, S. 392 Brief 31

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Link zu Muslim-Markt: http://www.muslim-markt.de/interview/2010/tuerkyilmaz.htm

Muslim-Markt interviewt

Hudschat-ul-Islam wal-Muslimin Sabahattin Türkyilmaz – Islamischer Geistlicher in Deutschland

10.1.2010

Sabahattin Türkyilmaz

Hudschatul Islam wal Muslimin Türkyilmaz

Hudschat-ul-Islam wal-Muslimin Sabahattin Türkyilmaz ist 1966 in einem kleinen Dorf in Igdir im Osten der Türkei geboren. Die Grundschule hat er in Istanbul und Mittelschule (vergleichbar Orientierungsstufe) hat er in Izmir besucht. Damals lebten seine Eltern in Stuttgart, da sein Vater 1972 als Arbeiter nach Deutschland gekommen war.

In 1980 ist Sabahattin Türkyilmaz nach Deutschland zu seinen Eltern gereist aber zunächst nur zwei Jahre geblieben. 1982 reiste er in die islamische Republik Iran, um an der Theologischen Hochschule in Qum Islam zu studieren. In seinem acht Jahre andauernden Studium lernte er neben den Grundlagenfächern zunächst die Sprache Arabisch und Persisch (Türkyilmaz spricht zudem Türkisch und Deutsch) und vertiefte sich dann in den Fächern Logik, Philosophie, Grundlagen der Rechtwissenschaft, Theologie der Rechtwissenschaft, Islamische Offenbarung, Rechtwissenschaftliche Grundsätze. In den letzten zwei Jahren erhielt er Unterricht in der Auslegung des Heiligen Qur’an von  Ayatullah Dschawadi Amoli. Nach abgeschlossener Ausbildung kehrte er 1990 in die Türkei zurück und gründete dort zusammen mit Freunden den Verlag und das Forschungszentrum mit dem Namen Kevser.

In 1993 wurde er von Anhängern der Rechtsschule der Ahl-ul-Bait in Berlin gebeten, ihre Gemeinde zu leiten. Mit Hilfe der Gemeinde wurde die Imam Riza (a.s) Moschee gegründet. Mit der Zeit und der aufgrund der Größe der Stadt Berlin entwickelten sich auch in anderen Statteilen an der Rechtsschule der Ahl-ul-Bait orientierte Gemeinden, die sich im Rat der Islamischen Schiitischen Gemeinden in Berlin/ Brandenburg zusammen schlossen und Hudschat-ul-Islam wal-Muslimin Türkyilmaz zu ihrem ersten Vorsitzenden wählten. Daneben ist er auch Generalsekretär des Türkischen Ahlul Bait Ulama Rates in Europa. Derzeit arbeitet er in Frankfurt an der Entwicklung der Hz. Fatima (s.a) Moschee.

Hudschat-ul-Islam wal Muslimin Sabahattin Türkyilmaz ist verheiratet, hat zwei Töchter und zwei Söhne und lebt in Frankfurt und Berlin.

MM: Sehr geehrter Hudschat-ul-Islam wal Muslimin Türkyilmaz, bitte erzählen Sie unsren Lesern etwas über die Ausbildung von islamischen Geistlichen an der Theologischen Hochschule in Qum (Iran), was sind dort die neben den islamischen Grundlagen die wesentlichen Lehrinhalte bezogen auf die heutige Zeit?

Türkyilmaz: Um die Frage differenzierter zu betrachten, möchte ich die Antwort aufteilen in die Zeit vor und nach der Islamischen Revolution. Die Aufgaben einer Theologischen Hochschule (Hauza) bestehen seit ihrer Gründung ganz allgemein darin, die Bedürfnisse nach islamischer Rechtleitung in erfassbare Regeln umzusetzen und die damit zusammenhängen Forschung und Lehre zu gewährleisten. Dabei muss die Hochschule eine Bandbreite an Ausbildung leisten, die vom einfachen Leiter einer Moschee bis hin zum Vorbild der Nachahmung (Mardscha-u-taqlid) reicht, also von einer Grundausbildung bis hin zu den höchsten Stufen der islamischen Lehre, welche auch die schwierigsten Fragen der Zeit und Gesellschaft beantworten kann. In diesem Rahmen werden die Lehren des Islam des Heiligen Qur’an, des Vorbildes des Propheten (Sunna), den Vorbildcharakter der Ahl-ul-Bait sowie vergleichbare Aspekte geschützt, erforscht und gelehrt, sowohl in ihren Auswirkungen auf das individuelle Leben als auch auf die Gesellschaft.

Vor der Islamischen Revolution wurde größerer Wert auf den Aspekt des individuellen Lebens gelegt und die hieran gekoppelten Fragestellungen ausführlich behandelt, wie beispielsweise Gottesdienst, Moral, Auslegung des Heiligen Qur’an, Überlieferungen, Geschichte usw.. Nach der Islamischen Revolution wurden den Fragestellungen der Gemeinschaft, den gesellschaftlichen Belangen eine ebenfalls große Bedeutung beigemessen, denn die entsprechenden Fragestellungen standen auf der Tagesordnung und suchten nach Antworten. Daher ist es sicherlich angebracht darauf hinzuweisen, dass die Islamische Revolution im Iran auch eine Revolution in der selbständigen Rechtsfindung (idschtihad) von geeigneten Gelehrten und im islamischen Rechtswesen zur Folge hatte. Da meine Lehre an der Theologischen Hochschule nach der Islamischen Revolution erfolgte, haben meinesgleichen neben den traditionellen Lehren auch Unterrichtseinheiten wie Wirtschaftswesen, Politikwissenschaften (darunter Staatswesen und Staatsführung, internationale Beziehungen), Sozialwissenschaften und darunter Soziologie, Psychologie sowie den umfangreichen Bereich der Juristik studiert. Derzeit werden zahlreiche dieser Fächer noch weiter unterteilt und in Bereiche der allgemeinen Lehre und der tiefer gehenden Lehre für die selbständigen Rechtfindung (idschtihad) entwickelt. In breichen wie der politischen Rechtssprechung, der Jura, Exegese bzw. Auslegungslehre, Überlieferungswissenschaften, Geschichte und einigen anderen Bereichen ist es inzwischen auch möglich zu promovieren und einen universitätskompatiblen Doktorgrad zu erlangen.

MM: Nach Ihrem Studium sind sie in die Türkei gegangen und haben den derzeit bekanntesten türkischen Verlag mit Ahl-ul-Bait Literatur mit aufgebaut. Was führte dazu, dass Sie nach Deutschland gekommen sind?

Türkyilmaz: Wie Sie wissen, hat jede Region ihre eigenen Bedingungen und Bedürfnisse. Die Bedürfnisse der Muslime in der Türkei sind mit denen der Muslime in Deutschland nicht identisch. Sie haben unterschiedliche Kulturen und daher auch unterschiedliche Bedürfnisse. In der Türkei gibt es genug Gelehrte und Moscheen, die den Muslimen dort für religiöse, moralische, kulturelle und gesellschaftliche Fragen zur Verfügung stehen.

In Europa jedoch war dieser Bedarf an Gelehrten noch vorhanden. Dass ich davor schon in Deutschland gelebt habe und die Sprache und die Kultur Deutschlands einigermaßen kannte, war für einige Schiiten in Berlin ein Grund dafür, mich nach Deutschland einzuladen. Ich empfand es als eine religiöse Pflicht, die Einladung anzunehmen, da in Deutschland der Bedarf an islamischen Gelehrten bestand. Somit beschloss ich nach Deutschland zu kommen.

MM: In Deutschland haben Sie sowohl die Zeit vor als auch nach dem 11. September 2001 als aktiver und praktizierenden Muslim miterlebt. Was hat sich seither geändert?

Türkyilmaz: Erlauben Sie mir zuvor entschieden darauf hinzuweisen, dass ich, als jemand, der einer islamischen Rechtschule angehört, die die meisten Schäden des Terrors hinnehmen musste und die meisten Opfer gebracht hat, jede Art von Terror entschieden ablehne. Terrorismus hat keine Religion und es gibt keinen gerechtfertigten Grundlage dafür.

Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 haben eine Reihe von sinnvollen aber auch negativen Erscheinungen mit sich gebracht. Vor dem 11. September lebten viele Muslime innerhalb in sich geschlossener Gesellschaften, die sich nur mit sich selbst beschäftigten. Als die sie umgebende Gesellschaft sich ihnen zuwandte, waren sie zumeist nicht in der Lage, den Islam vernünftig bzw. hinreichend zu vertreten. Der notwenige Dialog zwischen Muslimen in einer nichtmuslimischen Gesellschaft und der Religion der Mehrheitsgesellschaft entsprach nicht dem notwendigen Bedürfnissen und hatte nicht das notwendige Niveau. So hatten die westlichen Gesellschaften wenig Gelgenheit eine Nähe zum Islam und zu Muslimen aufzubauen. Enge Beziehungen waren eher selten.

Der 11. September kann als Wendepunkt bezeichnet werden. Die Tatsache, dass die westlichen Medien Muslime als Verantwortliche für jene Ereignisse beschuldigten, führte dazu, dass jeder Muslim als potentieller Terrorist und der Islam als eine Religion des Terrors betrachtet und diese Betrachtungsweise verbreitet wurde. Von nun an betrachteten Nichtmuslime die Muslime zumeist vorurteilsbehaftet. Die Vorgehensweise der Meiden und das Verhalten der Politiker brachten die Muslime in eine äußerst schwierige Lage. Muslime wurden dazu gedrängt nachzuweisen, dass sie keine Terroristen sind und gleichzeitig mussten sie sich für die freie Religionsausübung einsetzen, die nicht mehr selbstverständlich war, um ihr Religionsleben praktizieren zu können. Das aber stieß auf teil unüberwindliche Hindernisse, denn die Muslime verfügen weder über die Mediengewalt noch über andere hinreichende Methoden, um die Menschen zu erreichen. Daher entstand hier eine neue sehr bedeutsame Aufgabe für die Muslime. Muslime stehe vor der Verpflichtung, die religiösen gesellschaftlichen Gebote der Mehrheitsgesellschaft vorzustellen und deutlich zu machen, dass der Islam die Religion der Gerechtigkeit ist. Wir müssen aufzeigen, dass der Islam die weltumspannenden und von allen mitgetragenen Werte wie Frieden, Geschwisterlichkeit, Nächstenliebe und Gerechtigkeit vertritt. Und diese Information über den Islam muss nicht nur die Mehrheitsgesellschaft erreichen, sondern auch die dritte und vierte Generation der eingewanderten Muslime, die zumeist besser deutsch sprechen. So hat der 11. September zwar die großen Defizite innerhalb der muslimischen Gemeinden offen gelegt aber gleichzeitig die wundervolle Gelegenheit geschaffen, diese Defizite zu korrigieren und das wahre Gesicht des Islam vorzustellen. Es bestand die großartige Gelegenheit und auch Notwendigkeit, darzustellen, dass der Islam eben nicht eine Religion des Terrors ist. Gleichzeitig erhielten die westlichen Gesellschaften eine vorher nicht dagewesene Gelegenheit, sich mit dem Islam zu beschäftigen und den wahren Islam – trotz widriger Umstände bei der Informationsbeschaffung – kennen zu lernen. Während die anfänglichen Umstände nach dem 11. September dazu geneigt waren, die westlichen Gesellschaften vom Islam zu entfernen, ist inzwischen das Gegenteil eingetreten und immer mehr Menschen, beschäftigen sich in sehr konstruktiver Weise mit dem Islam in einem Maß, wie wie es vorher nicht beobachten konnten.

MM: Viele deutsche Mitbürger, die aber immer noch wenig Ahnung vom Islam haben, denken dass Dinge wie Zwangsheirat und so genannte Ehrenmorde mit dem Islam zu tun hätten. Werden Sie darauf angesprochen, und was antworten Sie?

Türkyilmaz: Lieder sind jene Themen nicht allein auf die Ahnungslosigkeit der nichtmuslimischen deutschen Bevölkerung anzulasten. Auch viele Muslime haben diesbezüglich noch Informationsdefizite.

Was die Zwangsverheiratung angeht ist darauf hinzuweisen, dass sie mit dem Islam nicht vereinbar ist. Im Islam ist die Eheschließung die Grundlage zur Gründung eines geheiligsten Hauses einer geheiligten Familie. Die Ehe ist eine der bedeutsamsten Faktoren für eine Gesellschaftsordnung. Gesunde Eheschließungen und Familien sind die Grundlage einer gesunden Gesellschaft. Die Ehe selbst ist auf Freundschaft und Liebe aufgebaut, sie wird also dann umgesetzt, wenn es Anziehungskraft und Liebe zwischen Mann und Frau gibt. Falls es zwischen beiden keine Freundschaft, Anziehungskraft und Seelenverbindung gibt, wäre solch eine Ehe nicht die Ehe, die der Islam anstrebt. Selbst wenn jene Aspekte nur von einer Seite existieren würden, nicht aber von der anderen Seite erwidert werden würden, könnte sich keine gesunde und richtige Ehe entwickeln, da der größte Wert Liebe nicht beidseitig entstehen kann. Daher ist die Zwangsverheiratung aus Sicht des Islam nicht akzeptabel und zudem ohnehin ohne mittelfristigen Bestand. Die Zwangsverheiratung ist eine kulturelle Missentwicklung und hat mit dem Islam nichts zu tun!

MM: … und wie ist es mit den so genannte Ehrenmorden?

Türkyilmaz: Was die sogenannten Ehrenmorde angeht, so lässt sich zusammengefasst Folgendes feststellen: Die Würde des Menschen ist eine der bedeutsamsten Angelegenheiten des Islam sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft. Aber die Entwürdigung bzw. Ehrverletzung ist eine Fragestellung der Gesellschaft, für die auch nur das Gemeinwesen, also der Staat, die Verantwortung trägt und das alleinige Sanktionsrecht hat. Es gibt keinerlei individuelles Recht, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen! Sollte die islamische Vorstellung diesbezüglich im Widerspruch zu der gesellschaftlichen Konsensregelung stehen, so ändert das nichts an der Tatsache, dass es kein individuelles oder persönliches Recht zur Selbstjustiz gibt. Das ist ein sehr entscheidender Aspekt. Wenn es unterschiedliche Vorstellungen bezüglich Ehre und Würde und deren Verteidigung zwischen dem Individuum und der gesellschaftlichen Ordnung gibt, hat sich das Individuum der gesellschaftlichen Ordnung unterzuordnen und sein persönliches Recht Allah zu überlassen. Daher hat niemand das Recht, seine Vorstellung von Recht selbst umzusetzen. Selbst wenn das islamische Recht diesbezüglich von der allgemein gültigen Regelung abweichen sollte hat niemand das Recht von sich aus tätig zu werden! Auch in einem islamischen System wäre die Fragestellung eine Angelegenheit des Islamischen Staates, bei der niemand jegliches Recht zur Selbstjustiz hat. Es wäre eine Angelegenheit der Gerichtsbarkeit, nicht des Individuums. Ein Ehrenmord hat daher im Islam keinerlei Rechtfertigung! Auch in einem islamischen System wäre der sogenannte Ehrenmord ein Verbrechen und daher strafwürdig!

Die sogenannten Ehrenmorde haben ihre Ursache im geringen Bildungsstand und der Ignoranz, die in manchen von Muslimen geprägten Kulturen leider immer noch vorherrscht. Hierbei ist auch zu beachten, dass zuweilen auch andere Motive für Mord mit einer angeblichen Ehre missbräuchlich begründet werden. Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder die Zwangsverheiratung noch die so genannten Ehrenmorde mit dem Islam gerechtfertigt werden können.

MM: Zweifelsohne ist das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland in den letzten Jahren vergiftet worden. Was können praktizierende Muslime dazu beitragen, dass eine „Entgiftung“ stattfindet?

Türkyilmaz: Wie ich es bereits zuvor festgestellt habe, tragen Muslime diesbezüglich eine sehr große Verantwortung. Muslime sind verpflichtet den Islam aus den sichersten Quellen in der geeignetesten Weise vorzustellen und auch vorzuleben. Anders werden sei keinen hinreichenden Beitrag zu der „Entgiftung“ beitragen können. Daher möchte ich diesbezüglich einige Aspekte auflisten:

1. Der Islam muss von Aspekten des Bildungsstandstandes, nationalen Eigenheiten und die regionalen Kulturaspekten befreit werden. Viele Muslime haben den Islam in einer Mischung mit der eigenen Kultur, dem Brauch, den ortsüblichen Regeln und Bedürfnissen vermischt gelernt. Daher müssen wir den reinen Islam von diesen verfälschenden Aspekten befreien. Das wahre islamische Verständnis ist befreit von eigenen kulturellen Prägungen.

2. Deutsche Muslime und Muslime, die hier zur Welt gekommen sind – insbesondere die dritte Generation – sind von einer westlichen Kultur geprägt. Daher ist es nötig, ein Verständnis aufzubauen, mit dem dieser kulturellen Prägung die Farbe des Islam zu geben, da der Islam eine universelle Religion ist. Der Islam steht über Zeit und Region, und daher ist es bedeutsam den universellen Aspekt des Islam in der Vordergrund zu stellen.

3. In der Beziehung von Muslimen und Nichtmuslimen müssen die Fragestellungen offen gelegt werden, die zu einer Vergiftung der zwischenmenschlichen Atmosphäre führen um darauf aufbauend auch die islamische Lösung für das Problem zu erkennen und vorzustellen.

4. Der Muslime muss neben der Lehre des Islam, des Heiligen Qur’an, der Verfahrensweise des Propheten (Sunna) und der Ahl-ul-Bait und weiteren entsprechenden Quellen seinen Verstand nutzen und diese Lehre in einer transparenten Art und Weise vorstellen.

5. Selbstverständlich müssen Muslime alles in ihrer Hand liegende tun, um einer vergifteten Beziehung entgegen zu wirken. Aber auch die Gegenseite muss ihre Verpflichtungen erfüllen und die „Entgiftung“ der Beziehung zumindest anstreben.

6. Es ist stets zu beachten, dass in Deutschland diejenigen, die eine Vergiftung der Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen anstreben, ihre Bemühungen stets weiterführen werden. Sie werden ihre Bemühungen diesbezüglich sogar intensivieren. Es ist wichtig auch darauf zu achten.

MM: In Ihrem Vorlesungen legen Sie einen großen Wert auf die Erwartungshoffnung bezüglich des Erlösers. Warum glauben Sie, dass dieser Aspekt heutzutage eine so große Rolle spielt und gibt es hier Parallelen zwischen dem Christentum und dem Islam?

Türkyilmaz: Die Erwartungshoffnung ist Basis der Statthalterschaft des Imam Mahdi – möge er bald erscheinen – und damit Grundlage des Glaubens an den Erlöser Mahdi. Die Zeitepoche ist ganzheitlich zu betrachten. Die Zeitspanne von Anbeginn der Zeit bis zur Vollendung des Schöpfungsziels stellt eine Einheit dar. Nie gab es einen Leerraum zwischen den Propheten, die allesamt gekommen sind, um dem Menschen das Ziel des Lebens mitzuteilen, zu lehren und vorzuleben. Die Kettenglieder der Prophetenschule wurden vervollständigt und die Propheten haben das Voranschreiten zur Vollendung des Ziels sichergestellt. Dieses Sicherstellung ist die Denkschule der Statthalterschaft und des Imamat. Das erste Kettenglied dieser Denkschule ist die Schule von Ghadir Chum, als der Prophet (s.) vor Zehntausenden von Muslimen seinen Nachfolger Imam Ali (a.) unmissverständlich vorgestellt hat. Die Denkschule des Mahditums ist das System, welches den Erfolg dieser eingeschlagenen Zielsetzung vervollständigen und vollenden wird. Die Erwartungshoffnung ist das konstruktive Warten darauf, dass das Ziel der Schöpfung auch Erden vollendet wird. Zweifelsohne hat Allah, Der erhabene, einen Plan zur Vollendung des Schöpfungsziels, denn ohne solch ein Projekt wäre die Schöpfung sinnlos. Daher legen wir in unserer Epoche großen Wert auf die Lehre der Erwartungshoffnung, zumal die Notwendigkeit eines solchen Glaubenselements offensichtlich ist.

Wenn es um die Frage der Parallelen diesbezüglich zum Christentum geht, so ist festzustellen, dass es nicht nur Parallelen zum Christentum gibt, sondern zu allen Religionen und Denkschulen, die sich ein unfassendes Bild von der Zukunft des Daseins gemacht haben. Denn schließlich stellen sich alle Denkschulen die Frage nach der Zukunft des Daseins, wie die Zukunft aussehen wird und wer die Zukunft gestalten wird. Die Denkschulen mit göttlichem Ursprung weisen allesamt darauf hin, dass die Zukunft der Erde durch eine Person gestaltet wird, die Gerechtigkeit auf Erden etablieren und somit befreien wird. Jene Person kann mit unterschiedlichen Vorstellungen behaftet sein und unterschiedliche Namen tragen, aber allen ist die Erwartungshoffnung gemeinsam. Ich glaube dass insbesondere die Parallelen diesbezüglich zwischen dem Islam und den Christentum in einem breiteren Rahmen ausgearbeitet und betrachtet werden sollten. Das wird sicherlich aus dann geschehen, wenn sich Muslime selbst auch mit dem Mahditum intensiver beschäftigen.

MM: Wie könnte ein Einstieg zu einer Diskussion über die konstruktive Gestaltung der Zukunft aussehen?

Türkyilmaz: Über die Zukunft der Erde hat jede Ideologie ihre eigene Ansicht; Begriffe wie Endzeit, Eschatologie, Futurismus usw. und Thesen über die Endzeit und die Zukunft der Welt deuten daraufhin, dass die verschiedenen Ideologien darüber einig sind, dass die Zukunft der Welt sich von ihrer jetzigen Lage und der Vergangenheit unterscheiden wird. Jede Religion und Ideologie, ob göttlichen Ursprungs oder von Menschenhand entstanden, teilen die Meinung, dass die jetzige Lage der Welt nicht zufriedenstellend ist und Änderungen bedarf. Jede Ideologie entwickelt hierfür eigene Pläne und Programme. Sie sind bemüht die Welt der Zukunft zu gestalten und ihre eigene Ideologie zu etablieren. Um die Welt der Zukunft zu gestalten, muss man über die Hilfsmittel verfügen, die dafür notwendig sind. Was für eine Welt ist überhaupt gewünscht? Wie soll die Welt der Zukunft aussehen?

Folgende Fragen und Bedürfnisse müssen die Ideologien beantworten und abdecken können. Wirtschaft, Soziales, Recht, Sicherheit, Gleichberechtigung, Verhalten gegenüber anderen Glaubensrichtungen usw.. Alle Bereiche des individuellen und des kollektiven Miteinander müssen abgedeckt werden. Verfügen wir über die Lehren und Ideen um all diese Bereiche abdecken und befriedigen zu können? Um diese Fragen gerecht zu beantworten sind folgende Aspekte zu berücksichtigen: Das Ziel muss heilig sein; die ideologische Basis muss vorhanden sein; Gesetze, die absolut vollkommen sind für die Welt der Zukunft müssen vorhanden sein; ein gerechtes System muss entwickelt werden, welches die Gesetze ausführt. Dafür ist ein Oberhaupt notwendig, der gerecht und gelehrt und in der Lage ist, das System zu leiten. Die Strategie, um das System zu etablieren, muss wahrhaftig und gerecht sein. Die Menschen müssen es selber wünschen und daran glauben, es darf nicht per Gewalt aufgezwungen werden.

Es ist offensichtlich, dass menschliche Ideologien nicht über diese Möglichkeiten verfügen. In einigen der göttlichen Religionen wird dies als eine Theorie oder gar nur eine Phantasie empfunden. Bei anderen ist es nur als eine Theorie und These aber fern von Praxis und der Lebensgestaltung. Im einigen islamischen Rechtsschulen ist dies nur als eine leere Hoffnung in Vergessenheit geraten. Die schiitische Rechtsschule hingegen hat über die Zukunft der Welt einen entschlossenen Glauben, einen Plan und die stärkste These. Das Mahditum im Islam ist die einzige Ideologie und das einzige System, welches alle oben aufgeführten Fragen beantworten kann.

MM: Welche Projekte haben Sie für die nahe Zukunft geplant?

Türkyilmaz: Unsere zukünftigen Projekte können in folgenden Leitlinien zusammengefasst werden. Es ist von großer Bedeutung die Fragestellungen der Gesellschaft, in der wir uns befinden, anzugehen und Antworten zu erarbeiten und zu vermitteln, insbesondere für die Jungend. Die Faszination und Weisheiten des Islam wollen wir versuchen auf einem Weg der Vernunft und in wissenschaftlich angebrachter Art in der Sprache der Zeit der Gesellschaft zu erläutern, in der wir leben. In diesem Zusammenhang legen wir großen Wert auf die Behandlung des Mahditums aus den Blickwinkeln einer göttlichen und ganzheitlichen Sichtweise, sowie die Quellenforschung dazu im Heiligen Qur’an und deren Vermittlung in Lehrveranstaltungen und Seminaren. Dafür wird es ein erster Schritt sein, die ideologische und glaubensmäßige Basis zum Thema Mahdi aufzubauen, zu verfeinern und darzulegen.

MM: Hudschat-ul-Islam wal Muslimin Türkyilmaz, wir danken für das Interview.

Türkyilmaz: Möge Allah Ihren Aktivitäten Erfolg bescheren und ihren Einsatz auf dem Weg der Wahrheit lohnen.

Link zu Muslim-Markt: http://www.muslim-markt.de/interview/2010/tuerkyilmaz.htm

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Die Gefangenschaft der Ahlul-Bait _a._ in Karbala – Freitagsansprache 08.01.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

قُلْ إِنَّ صَلَاتِي وَنُسُكِي وَمَحْيَايَ وَمَمَاتِي لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

Sprich: «Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten. [1]

Imam Hussain (a.) sagte:

„(Oh Allah), was hat der gefunden, der Dich verloren hat? Und was hat der verloren, der Dich gefunden hat? Wer mit etwas anderem als mit Dir zufrieden ist, der ist verloren.“ [2]

Die Weisheit, die hinter der Gefangenschaft der Familienangehörigen, der Ahlul-Bait (a.) von Imam Hussain (a.) in Karbala

erste Etappe des Aufstandes von Imam Hussain (a.) begann in Medina, als Imam Hussain (a.) den Treueid zu Yazid (l.) und die Bestätigung seiner illegalen, antiislamischen Regierung, verweigert hatte. Sie nahm ihren Lauf, als der Imam, während der Zeit der Pilgerreise, nach Mekka auswanderte und die dort versammelten Muslime über seine Position aufklärte. Anschließend ging er über Kufa nach Karbala. Am 10. Tag des Monats Muharram, am Tage Aschura war die erste Etappe des Aufstandes von Imam Hussain (a.), erfüllt.

Die zweite Etappe des Aufstandes von Imam Hussain (a.)Die erste Etappe des Aufstandes fand mit dem Märtyrium von Imam Hussain (a.) und seinen Gerfährten am Tage Aschura sein Ende. Die edlen Märtyrer von Karbala sind ihrer heiligen Pflicht in bester Weise nachgekommen und haben ihr Leben ihrem Schöpfer für die Bewahrung der Religion zur Verfügung gestellt. Die zweite Etappe des Aufstandes sollte aber erst nach Aschura beginnen. Der eigentliche Grund und die List von Yazid (l.), Imam Hussain (a.) in Karbala den Weg zu sperren und sein Eintreffen in Kufa, zu vermeiden, war, dass der Aufstand von Imam Hussain (a.) in Karbala, einem menschenleeren, unbesiedelten Ort, geschehen und dort vergraben werden sollte. Niemand sollte von dieser Greueltat erfahren. Wenn man bedenkt, dass zu jener Zeit die Nachrichtenübermittlung aufwändig und nur schwer möglich war, erkennt man, die Hintergedanken von Yazid (l.), Imam Hussain (a.) den Weg nach Kufa zu verwehren und in Karbala abzusperren. Damals wurden Nachrichten und Ereignisse durch spezielle Schreiber festgehalten und nur durch bestimmte Personen wurden die Nachrichten übermittelt. Selbst bei Kriegen und Schlachten waren immer diese speziellen Schreiber vorhanden. Ebenso erzählten auch Augenzeugen über die Ereignisse.

Yazid (l.) wollte es verhindern, dass sein unmenschliches Massaker gegenüber der Prophetenfamilie (a.) aufgedeckt und bezeugt wird. Er hatte die Nachricht verbreitet, dass Imam Hussain (a.) und seine Gefährten „Chawaridsch“[3], Abtrünnige, Gegner des Islam´s, sind um somit seine Position zu stärken und einen Grund für die Schlacht in Karbala zu finden.

Die zweite Etappe des Aufstandes von Karbala begann ab dem Moment der Gefangennahme der Ahlul-Bait (a.) und verbliebenen Angehörigen von Imam Hussain (a.). Die Nachricht des Aufstandes, ihre Ziele und Botschaften, sollten durch sie auf der ganzen Welt verbreitet werden und an alle Generationen übermittelt werden.

An dieser Stelle kommt die Weisheit, die Hinter dieser Gefangenschaft liegt, zur Geltung und zum Vorschein: Sie sollten dieses Ereignis in die weite Welt und die nächsten Generationen verbreiten. Imam Hussain (a.) hatte bereits vor seiner Abreise aus Mekka, dies verkündet, jedoch konnte es damals noch keiner verstehen. Damals fragte Ibn-Abbas [4], Imam Hussain (a.), weshalb er seine Familienangehörigen mit nach Karbala nimmt, wenn er schon selber sich nicht von dieser Reise abhalten lässt, so sollte er zumindest Frauen und Kinder nicht zu einer so langen und gefährlichen Reise mitnehmen.

Imam Hussain (a.) antwortete:

„Allah, der Erhabene will mich als Märtyrer und meine Familie als Gefangene sehen.“

Die Gefangenschaft der Angehörigen von Imam Hussain (a.) beinhaltete etliche Geheimnisse, die aber nur die späteren Generationen verstehen sollten.

Schon am Abend von Aschura zeigten sich die Weisheiten der Gefangenschaft der Angehörigen von Imam Hussain (a.). Wir möchten hier nur auf einige wichtige Punkte hinweisen:

1. Die Pläne von Yazid (l.) waren nun zusammengefallen. Er wollte keinen einzigen Zeugen über das Massaker in Karbala haben. Nur seine eigenen Hofschreiber sollten davon wissen und eine gefälschte Version der Nachricht in der islamischen Welt verbreiten. In seinem Palast in Schaam (Damaskus) sprach Yazid (l.) zu den Gefangenen:

„Seht ihr, wie Allah euch eine Niederlage und Erniedrigung gelehrt hat?

Zainab bint Ali (a.)[5] stand daraufhin auf und hielt eine Rede, die Yazid´s Thron zum zittern bringen sollte. Sie begann ihre Rede mit den Worten: „Wir haben nichts ausser Schönheit gesehen.“

Yazid (l.) wurde in seinem eigenen Palast von der Stärke dieser Worte aufs tiefste gedemütigt und blamiert.

2. Wären Zainab (a.), Imam Zain-ul Abidin und die anderen Angehörigen von Imam Hussain (a.) nicht gefangen genommen, würde Yazid (l.) Imam Hussain (a.) und seine Gefährten als Abtrünnige brandmarken und zumindest seitens des Volkes, „Recht“ und Ruhm genießen, da er angeblich Feinde des Islam´s besiegen konnte. Noch bevor die Karawane mit den Gefangenen aus Karbala aufgebrochen war, wurde in den Städten, an denen die Karawane vorbeiziehen sollte, schon mit deren Ankunft laut geworben. Es wurde die Nachricht verbreitet, dass man sie, die „Chawaridsch“ besiegt und ihre Frauen und Kinder gefangen genommen habe. Yazid (l.) wollte einen Triumph feiern und bereitete die Stimmung im Volke dementsprechen vor. Als jemand in Kufa Imam Zain-al Abidin beleidigte, fragte ihn der Imam (a.), ob er den heiligen Qur´an und die Ayat 33 der Sura Al –Ahzab kenne:

إِنَّمَا يُرِيدُ اللَّهُ لِيُذْهِبَ عَنكُمُ الرِّجْسَ أَهْلَ الْبَيْتِ وَيُطَهِّرَكُمْ تَطْهِيراً

Allah will nur jegliches Übel von euch verschwinden lassen, ihr Angehörigen des Hauses, und euch stets in vollkommener Weise rein halten. [6]

Als der Mann fragte, was diese Ayat denn mit jenen Gefangenen zu tun hätte, sagte Imam Zain-al Abidin (a.):

„Wir sind die „Angehörigen des Hauses“ Ahlul-Bait (a.), welche in dieser Ayat des heiligen Qur´an, beschrieben wird. Wir sind die Kinder von Hussain (a.), dem Sohn von Fatima (a.) der Tochter des Propheten (s.).“

Sogar die Menschen in Kufa hatte man davon überzeugt, dass dies Gefangene der Chawaridsch sind. Kufa, die Stadt, die Imam Ali (a.) die letzten fünf Jahre seines Lebens, noch einige Jahre zuvor, regiert hatte.

3. Wenn es die Gefangenen der Ahlul-Bait (a.) nicht gebe, wären der Grund und das Ziel des Aufstandes von Imam Hussain (a.) nie ans Tageslicht gekommen. Es würde vielleicht als ein schweres Massaker in Erinnerung bleiben und in die Geschichte eingehen, mehr aber auch nicht. Imam Hussain (a.) beschreibt seinen Aufstand, wie folgt:

„Wahrlich, ich bin nicht aus Übermut ausgezogen, noch aus Missmut, noch als Verderbensstifter oder als Ungerechter, sondern ich bin nur ausgezogen, um die Umma meines Großvaters Muhammad (s.) in Ordnung zu bringen. Ich will das Gute gebieten und das Schlechte verwehren sowie auf dem Wege meines Großvaters Muhammad (s.) und auf dem Wege meines Vaters Ali ibn Abi Talib (a.) wandeln.“[7]

Diese Botschaft und dieses heilige Ziel von Imam Hussain (s.) sind dank der Ahl-ul Bait (a.), die damals Gefangen waren, Zeit – und Raumübergreifend, übermittelt und am Leben erhalten worden.

4. Wären die Gefangenen nicht gewesen, würden die Aufstände gegen den Omayyadenherscher Yazid (l.), die kurze Zeit später erfolgten, nicht stattfinden. Die Gefangenen, insbesondere Zainab bint Ali (a.), haben die gesamte Zeit über, die sie in Kufa verbracht hatten, über ihre Position, die Unschuld Imam Hussain´s (a.) und das Massaker durch Yazid (l.) gegenüber der Ahlul-Bait (a.), erzählt und die falsch informierten Menschen aufgeklärt. Die Mission von Zainab (a.), die sie bei diesem Aufstand übernahm, kam nun zur Geltung. Sie klärte auf! Und nur kurze Zeit später folgten Aufstände über Aufstände gegen Yazid (l.) und die Umayyaden. Der Aufstand, den Muchtar ibn Abu Ubaida al-Thaqafi[8] anführte und der Aufstand der Tawwabin, sind nur zwei von vielen.

5. Wäre die Ahlul-Bait (a.) und die Angehörigen von Imam Hussain (a.) nicht gefangen genommen, würden die Menschen in Schaam nie die Wahrheit erfahren. Die Rede von Imam Zain-al Abidin (a.) im Palast von Yazid (l.) ist eine historische Seltenheit, eine Lehre für die gesamte Menschheit. Ich rate allen Geschwistern, diese Rede zu studieren und darüber nachzudenken, um zu sehen, was für einen gewaltigen Aufstand die Gefangenen von der Ahlul-Bait (a.) in Schaam vollbracht haben.

6. Das Hauptanliegen der Gefangenen bestand darin, die schrecklichen Ereignisse in Karbala, bis in die Details, den Menschen weiterzuleiten und die Menschen über die Ziele und die Beweggründe des Aufstandes von Imam Hussain (a.), aufzuklären. Die sicherste Quelle über das Ereignis könnte nur von Augenzeugen kommen, von denen keine falschen Aussagen kommen, deren Worten man vertrauen kann und deren Handeln keine Fehler nachweisen. Über die Tage, die die Gefangenen in Schaam verbrachten, veranstaltete Zainab (a.) jeden Abend Trauerzeremonien für die Märtyrer und erzählte von der Schlacht und dem Gemetzel in Karbala. Zainab (a.) bewirkte mit dieser Aufklärungsarbeit und den Trauerzeremonien eine Revolution und Ubaydullah, liess Yazid (l.) eine Nachricht zukommen, dass er die Gefangenen schnell von Schaam gen Medina schicken soll, ansonsten würde hier bald der Aufstand unaufhaltbar .

7. Gebe es die Gefangenen nicht, könnte der Aufstand von Imam Hussain (a.) sein Ziel nicht erreichen und würde somit auch nicht vollkommen sein.

8. Imam Hussain (a.) würde nicht zum Vorbild für alle Menschen werden, wäre es da nicht die Gefangenen von der Ahlul-Bait (a.). Die Weisheiten über die Gefangenschaft der Ahlul-Bait (a.) sind nicht nur mit den oben genannten begrenzt. Wir haben uns heute nur auf diese einige Punkte beschränkt.

Die Weisheit der Gefangenschaft der Ahlul-Bait (a.) und weshalb Gott, die Familienangehörigen von Imam Hussain (a.) als Gefangene sehen wollte, kommt in den Reden und Äusserungen von Zainab bint Ali (a.) und Imam Zain-al Abidin (a.), während der 40 Tage andauernden Trauerzeremonien, ebenso zum Vorschein. Die Rede, die Zainab (a.) in Kufa hielt und die Reden von Imam Zain-al Abidin (a.) in Schaam und die Inhalte deren Worte und deren Auswirkungen beinhalten und offenbaren die Wahrheiten über diese Tatsache.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die den Aufstand von Imam Hussain (a.) verstehen und begreifen und danach leben

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die dem Weg von Imam Hussain (a.) folgen

Möge Allah uns von dem heiligen Qur´an und der Ahlul-Bait (a.) nie trennen

Möge Allah uns die Fürsprache der „Märtyrer von Karbala“ zukommen lassen.

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

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Nach der Aschura von Imam Hussain – Freitagsansprache 01.01.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِِ
إِذَا جَاء نَصْرُ اللَّهِ وَالْفَتْحُ – وَرَأَيْتَ النَّاسَ يَدْخُلُونَ فِي دِينِ اللَّهِ أَفْوَاجاً – فَسَبِّحْ بِحَمْدِ رَبِّكَ وَاسْتَغْفِرْهُ إِنَّهُ كَانَ تَوَّاباً

Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg – Und du die Menschen scharenweise in die Religion Allahs eintreten siehst, – Dann lobpreise du deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung. Wahrlich, Er wendet Sich oft mit Gnade.

Imam Ridha sagte: „Derjenige, für den der Tag von ‚Ashura ein Tag der Tragödie, der Trauer und des Weinens ist, dem wird Allah der Allmächtige, der Glorreiche, den Tag der Auferstehung zu einem Tag der Freude und des Glücks machen.“

Nach der Aschura von Imam Hussain (a.)

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

vor einigen Tagen haben wir wieder einmal den Ereignissen in Karbala gedacht und uns an „Aschura“ dem zehnten des Monats Muharram 61 nach der Hidschra, erinnert, sie nacherzählt und nachempfunden.

Aber warum?

Gibt es wohl noch jemanden auf der Welt, der von dem göttlichen und universellen Aufstand von Imam Hussain (a.) in Karbala nicht gehört hat? Oder gibt es noch Menschen, die nicht die Unschuld und die Tugendhaftigkeit von Imam Hussain (a.) anerkennen und die Bösartigkeit von Yazid zugeben? Oder gibt es wohl noch einen Menschen, der nicht weiss, dass Imam Hussain (a.) von dem „Stammbaum des Guten“ abstammt und Yazid dem „Stammbaum des Bösen“ angehört?

Ich glaube, es gibt wohl keinen, der nicht über dieses klare und deutliche Ereignis gehört hat, zumindest nicht in diesem Zeitalter. Was ist also der Sinn, dass dieses historische Ereignis, Jahr für Jahr, aufwändig und groß angedacht wird und jedes Jahr in Muharram an erster Stelle der Tagesordnung steht?

Um diese Fragen besser verstehen zu können, müssen wir erst die verschieden Etappen und Stufen des Aufstandes von Imam Hussain (a.) kennenlernen. Der Aufstand von Imam Hussain (a.) hatte verschiedene Abschnitte. Diese sind:

1- Die Unterdrücktheit
2- Rationalität, die Ziele des Aufstandes, ihre Erträge und ihre Botschaft, die Reflektion und Wirkung auf unser Leben
3- Liebe und Erkenntnis
4- Wahrheit

1- Die Unterdrücktheit

Die Unterdrücktheit Imam Hussain´s (a.) und des Aufstandes von Karbala wird mit Trauer und Tränen angedacht, damit sie lebendig bleibt und nicht vergessen wird. Die große Ungerechtigkeit, die Unterdrückung Imam Hussain´s (a.) seitens Yazid (Allah´s fluch auf Ihn) füllen die Herzen mit Schmerz und Trauer und die Augen mit Tränen der Liebe. Die Tränen bilden ein Meer, auf dem „das Schiff der Rettung“ von Imam Hussain (a.), die gesamte Erde umreist und jedes Zeitalter der Menschheit erreicht.

Der Ausspruch des Propheten Muhammed (s.) „Hussain (a.) ist die Fackel der Rechtleitung und das Schiff der Rettung“ geht in dieser Weise in Erfüllung und wird in ganz besonderer Weise mit Leben erfüllt und in der Praxis umgesetzt.

Imam Hussein (as) sagte: „Mein Märtyrertod ist mit Tränen verbunden.“

Daher ist es sehr wichtig, die Aspekte der Unterdrückung, der Imam Hussain (a.) Hilflosigkeit und die Unschuldigkeit des Aufstandes von Imam Hussain (a.) Jahr für Jahr noch wirksamer und intensiver zu Gedenken, damit dieses Schiff auch die nächsten Generationen erreichen kann. Der Grund der Trauer ist nicht nur das Gedenken an Imam Hussain (a.) und die damit verbundenen göttlichen Verdienste, sondern sie ist ein Hilfsmittel für das Erreichen des zweiten Abschnittes des Aufstandes. Das Trauern bedeutet nicht Hilflosigkeit oder Unfähigkeit oder gar sich jemanden erbarmen, sondern sie ist ein Mittel, das uns zum Ziel führen soll.

Der Gesandte Allah´s (s.) seine Ahlul-Bait (a.) mit der Arche Noah:
„Meine Ahlul-Bait (a.) ist wie die Arche Noah. Wer sich auf sie begibt, ist gerettet, wer sich jedoch von ihr abwendet, geht zugrunde.“

Als Noah (a.) die Arche fertig hatte, liess Gott das Wasser regnen, worauf es schwimmen sollte. Das Schiff von Imam Hussain (a.) jedoch schwimmt auf dem Ozean der Tränen der Gläubigen. Die Arche Noah legte, nachdem das Wasser sich zurückgezogen hatte, an. Das Schiff von Imam Hussain (a.) ist jedoch nicht zeitgebunden und universell. Es steuert auf alle Zeiten und alle Orte der Welt zu.

2. Rationalität, die Ziele des Aufstandes, ihre Erträge und ihre Botschaft, die Reflektion und Wirkung auf unser Leben

Das Verstehen der Ziele des Aufstandes: Die Trauerzeremonien zu Muharram bringen viele Fragen mit sich: Warum Trauer und warum Tränen? Diese Fragen führen dazu, über den Aufstand nachzudenken und nach den Zielen und Gründen des Aufstandes zu suchen. Wenn wir die Gründe und Ziele des Aufstandes kennen, können wir über die universelle Botschaft des Aufstandes nachdenken. Was ist die Botschaft des Aufstandes von Imam Hussain (a.) Was sollten wir tun? Was will der Imam (a.) von uns? Was sind unsere Aufgaben? Wenn wir uns mit diesen Fragen beschäftigen und nach deren Antworten streben werden wir sehen, dass der Aufstand in Karbala ein Licht für unser heutiges Dasein ist und die heiligen Ziele dieses Aufstandes werden auch unserem Leben eine Richtung geben. Wir lernen daraus, was für ein Leben wir im Diesseits führen sollen. Dann werden wir auch erkennen, dass nur Imam Hussain (a.) das Licht der Rechtleitung und das Schiff der Rettung ist und nur wenn wir uns auf dieses Schiff begeben, können wir die Rettung erreichen. Der Aufstand von Imam Hussain (a.) muss sich auf unser heutiges Leben reflektieren und durch uns gelebt werden. Wenn wir den Aufstand von Imam Hussain (a.) verstehen und danach leben, werden wir mit Leichtigkeit sehen, wer der Yazid und die Yazide unserer Zeit sind und wie wir uns gegenüber ihnen zu verhalten haben. Imam Hussain (a.) sprach damals, dass einer wie er niemals Yazid den Treueid sprechen würde.

Imam Husain (a.) sagte:
“Wenn einer wie Yazid zum Oberbefehlshaber der Islamischen Gemeinschaft wird, muss man das Totengebet des Islams verlesen.”

Karbala ist eine Schule, dessen Lehrer Imam Hussain (a.) und seine 71 treuen Gefährten sind, die mit ihm den Märtyrertod starben. Die Schüler dieser Schule ist die gesamte Menschheit. In dieser Schule werden der Aufstand und der Kampf gegen das Böse gelehrt. Hier lernt man Opferbereitschaft, Mut, Treue, Gottergebenheit, Heldentum und Martyrium und ihr Ertrag ist Stolz, Würde ein würdevolles Leben. Daher stammt der Ausspruch des Imam Hussain (a.):

„Niemals Unterdrückung!“ [hayhat-min-a-zhilla].
„Die Erniedrigung ist fern von uns.“

und der Imam (a.) sagte ferner:

„Lieber sterbe ich in Würde, als ich mit Tyrannen in Erniedrigung zusammen lebe.“

Heutzutage beobachten wir, dass immer mehr Nichtschiiten des Aufstands von Imam Hussain (a.) gedenken und trauern, aber sie wollen nur die Unschuldigkeit des Aufstandes von Imam Hussain (a.) gedenken und die anderen Abschnitte des Aufstandes wollen sie in Vergessenheit bringen. Sie wollen den Aufstand in den Seiten der Geschichte lassen, sie wollen verhindern, dass die zweite Etappe des Aufstandes in Erscheinung tritt.

Die wahren Freunde von Imam Hussain (a.) müssen nun sehr vorsichtig und aufgeschlossen sein. Sie dürfen nicht zulassen, dass die Feinde, den Aufstand von Imam Hussain (a.) in Vergessenheit bringen. Jede Etappe und jeder Abschnitt des Aufstandes von Imam Hussain (a.) muss am Leben erhalten werden. Wir müssen alle Abschnitte des Aufstandes leben und leben lassen.

3. Liebe und Erkenntnis

Der Gesandte Allahs (s.) sagte:
‘Hussain ist von mir, und ich bin von Hussain. Allah liebt denjenigen, der Hussain liebt.

Durch diesen Aufstand, gewährleistet Imam Hussain (a.), dass der Mensch sich in Gott verliebt und die Liebe zu Gott findet. Dieser Abschnitt des Aufstandes kann nur verstanden werden, wenn die ersten beiden Abschnitte verstanden worden sind. Diese Stufe des Aufstandes verstehen am besten Mystiker, Heilige (Auliya) und große Gelehrte. Gläubige, die diese Stufe begreifen möchten, müssen zuerst die zwei Stufen zuvor begreifen. Über diese Angelegenheit wollen wir später gesondert zu sprechen kommen.

4. Die absolute Wahrheit des Aufstandes

Diese Stufe kann nur durch die Reinen Imamen (a.) verstanden werden.

Die Schia hat drei wichtige Lehrschulen:

1. Die Lehrschule von Ghadir Chum,
2. die Lehrschule von Karbala und
3. die Lehrschule der Erlösung durch Imam Mahdi (a.).

– Die Lehrschule von Ghadir Chum hat die Bemühungen aller 124.000 Propheten bewahrt und beschützt. Sie ist der Garant für die göttliche Lehre, die durch Propheten übermittelt wurde.

– Die Schule von Karbala indes, verhindert, dass diese himmlische Botschaft in Vergessenheit gerät und sie sorgte dafür, dass sie uns erreicht hat.

– Die Lehrschule des Erlösers Imam Mahdi (a.) wird diese himmlische Lehre weltweit etablieren.

سَنُرِيهِمْ آيَاتِنَا فِي الْآفَاقِ وَفِي أَنفُسِهِمْ حَتَّى يَتَبَيَّنَ لَهُمْ أَنَّهُ الْحَقُّ أَوَلَمْ يَكْفِ بِرَبِّكَ أَنَّهُ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ شَهِيدٌ

Bald werden Wir sie Unsere Zeichen sehen lassen überall auf Erden und an ihnen selbst, bis ihnen deutlich wird, daß es die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, daß dein Herr Zeuge ist über alle Dinge?

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die diese Lehrschulen verstehen
Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die diese Lehrschulen leben und leben lassen
Möge Allah uns die Fürsprache der reinen Imame (a.) zukommen lassen.

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

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