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Archive for Februar 2010

Freitagskanzel

Hudschatul Islam wal-Muslimin Sabahattin Türkyilmaz

Berlin, 26.02.2010

Als PDF: Freitagskanzel, 26.02.2010 – Die Stellung der Moschee im Islam

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

الَّذِينَ أُخْرِجُوا مِن دِيَارِهِمْ بِغَيْرِ حَقٍّ إِلَّا أَن يَقُولُوا رَبُّنَا اللَّهُ وَلَوْلَا دَفْعُ اللَّهِ النَّاسَ بَعْضَهُم بِبَعْضٍ لَّهُدِّمَتْ صَوَامِعُ وَبِيَعٌ وَصَلَوَاتٌ وَمَسَاجِدُ يُذْكَرُ فِيهَا اسْمُ اللَّهِ كَثِيراً وَلَيَنصُرَنَّ اللَّهُ مَن يَنصُرُهُ إِنَّ اللَّهَ لَقَوِيٌّ عَزِيزٌ

Diejenigen, die aus ihren Häusern heraustreten lassen wurden gegen Wahrheit, nur weil sie sagten: Unser Herr ist Allah. Und wenn Allah nicht die Menschen, einige durch andere, zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Verkaufsstätten, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs oft genannt wird, niedergerissen worden. Und Allah wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist wahrlich Allmächtig, Erhaben. (al-Hadsch, 40)

Die Stellung der Moschee im Islam

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

In unserer heutigen Freitagskanzel „Die Stellung der Moschee im Islam“ werden wir versuchen, die Moschee im Islam, insbesondere ihre Aufgaben und ihre eigentliche Mission, näher kennen zu lernen.

Welche Bedeutung und welche Funktionen haben die Moscheen? Welche Missionen und Aufgaben erfüllen sie? Wie sollte die ideale Moschee sein?

Die Moschee, wie wir sie heute in weiten Teilen der Welt sehen und erleben, ist neben anderen Gottes- und Sakralhäusern, ihrer eigentlichen Funktion enteignet worden. Sowohl bewusst als auch unbewusst sind die Moscheen heutzutage leider ins Vergessen gedrängt worden und erfüllen nicht mehr ihre eigentliche Mission. Die Wichtigkeit einer Moschee für die Gesellschaft wird von der Gesellschaft nicht wahrgenommen.

Leider sind die heutigen Moscheen fern von der „idealen Moschee“, als ein Ort, in der die göttlichen Weisheiten gepredigt und verkündet werden und Probleme der Gesellschaft aufgefangen und  besprochen werden. Die heutigen Moscheen indes, schaffen es nicht einmal ein religiös-spirituelles Zentrum zu werden, geschweige denn, gesellschaftliche Probleme anzugehen und nach Lösungen zu suchen.

Bedauerlicherweise ist das Bild und das Ansehen der Moscheen heutzutage weit weg von ihrer eigentlichen Wahrheit und den Geboten Gottes, die wir aus dem heiligen Qur´an und den Aussagen des Propheten Muhammed (s.) entnehmen können, entfernt. Insbesondere die Moscheen, die in Europa entstehen wirken anstatt anziehend, symphatisch und attraktiv, eher abstoßend und unfreundlich.

Sind Moscheen nur sakrale Orte des Gottesdienstes und des Gebetes? Sollten Moscheen wirklich nur prächtig gebaute Häuser sein, die so aussehen, wie aufwendig geschmückte Tempel? Sollten denn Moscheen tatsächlich den Islam symbolisieren und groß und prächtig errichtet sein, um anziehend und einladend zu sein? Sollten Moscheen wirklich nur als eine touristische Sehenswürdigkeit dienen?

Was aber ist mit den eigentlichen Aufgaben und der wahren Mission der Moscheen?

Haben Moschen Aufgaben und Pflichten gegenüber der Gesellschaft, denen sie nachkommen müssen? Es gibt viele Fragen über die Funktion einer Moschee, die geklärt werden müssen.

Über die Erbauung und Erhaltung der Moschee im Qur´an

Wir betrachten zunächst einen Vers aus dem heiligen Qur´an, der über den Bau und der Erhaltung von Moscheen, offenbart worden ist:

إِنَّمَا يَعْمُرُ مَسَاجِدَ اللَّهِ مَنْ ءَامَنَ بِاللَّهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَأَقَامَ الصَّلَاةَ وَءَاتَى الزَّكَاةَ وَلَمْ يَخْشَ إِلَّا اللَّهَ فَعَسَى أُولَئِكَ أَنْ يَكُونُوا مِنَ الْمُهْتَدِينَ

Wahrlich, der allein vermag die Erhaltung der Moscheen Allahs vorzunehmen, der überzeugt ist von Allah und dem letzten Tag und das Gebet verrichtet und die Zakat zukommen ließ und keinen außer Allah fürchtet: diese also mögen unter denen sein, welche den rechten Weg finden. (At-Tauba, 18)

Aus dieser Ayat können wir klar entnehmen, dass die Moscheen allein Allah, dem Allmächtigen, gehören. Wir lesen  مَسَاجِدَ اللَّهِ „Moscheen Allah´s“. Ja, die Moscheen gehören nicht den Menschen, sie sind nicht Eigentum von Gemeinden oder gar einer Gesellschaft. Sie gehören Allah, sie sind Allah´s Moscheen und alle Regeln und Gebote bezüglich der Moscheen, können nur von Allah selbst bestimmt werden.

Desweiterem lesen wir in diesem Vers, dass nur eine bestimmte Gruppe von Menschen die Erhaltung und das Erbauen von Moscheen vornehmen kann. Diese Menschen müssen fünf wichtige Eigenschaften mit sich bringen, die wir in der Ayat lesen:

1.     Der überzeugt ist von Allah

2.     Der überzeugt ist von dem letzten Tag.

3.     Der das Gebet verrichtet

4.     Der die Zakat abgibt

5.     Der Allah fürchtet

Wir wollen nun diese Eigenschaften etwas näher betrachten:

1.         Der überzeugt ist von Allah

2.         Der überzeugt ist von dem letzten Tag

Diese zwei Eigenschaften verdienen eine ganz besondere Beachtung: Diejenigen, die nicht an Gott und den Tag der Auferstehung glauben, brauchen auch keine Moschee zu errichten, bzw. haben überhaupt nicht das Bedürfnis nach einer Moschee. Und wenn diese Gruppe von Menschen, bei dem Bau einer Moschee Hilfe und Unterstützung anbietet, so sollten wir fest davon überzeugt sein, dass diese dafür einen hohen Preis und eine Gegenleistung verlangen werden. Diese werden sie früher oder später einfordern. Entweder werden sie die Moscheeleitung mitbestimmen wollen, mischen sich in interne Angelegenheiten der Moschee ein, wollen das Leitbild der Gemeinde beeinflussen und sich in alle Aktivitäten der Moschee einmischen. Wenn die Gemeinde sich ihren Wünschen nicht beugt und sich denen nicht unterwirft, wird sie bedroht.

3.         Der das Gebet verrichtet

Jemand, der nicht die täglichen Ritualgebete verrichten, wissen auch nicht von der Weisheit des Ritualgebetes und sie bedürfen auch keiner Moschee. Diese Menschen unterstützen auch sicherlich nicht den Moscheebau, ohne Eigeninteressen zu haben.

4.         Der die Zakat abgibt

Zakat ist die Almosenabgabe im Islam, eine Art Steuer.

Ein Grund für Aufführung dieser Bedingung ist, dass die Gläubigen durch ihre Zakat-Abgaben die Kosten des Moscheebau´s und des Unterhaltes der Moschee selber decken sollen, damit sie nicht von Menschen oder Kreditinstituten, welche die drei zuvor genannten Eigenschaften nicht mit sich bringen, abhängig werden. Wenn die Mittel für den Bau der Moschee nicht von der Gemeinde und vom Volk getragen werden können, benötigt man andere Finanzquellen und wird somit von vornherein von den Geldgebern abhängig. Und wenn die Moscheegemeinde den Interessen der Geldgeber nicht entsprechen bzw. sich unterwerfen will, wird finanzieller Druck auf sie ausgeübt und die Gemeinde wird wieder bedroht.

5.         Der Allah fürchtet

Diese Eigenschaft, die Gottesfurcht, ist mit ganz besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Gott verkündet, dass bei dem Bau einer Moschee allein die Gottesehrfurcht und die Zufriedenheit Gottes zu berücksichtigen sind. Denn wenn sie nicht Gott fürchten, fürchten sie sich von dem Druck und leeren Drohungen der Menschen. Mal sind es finanzielle Drohungen, dass die Baufinanzierung sonst nicht sichergestellt werden kann. Mal sind es psychologische Drohungen, wie z.B. Angst erzeugen, Angst vor dem Druck der Medien usw.

Aber nur zwei Gruppen von Menschen haben Angst:

  1. Diejenigen, die kein Vertrauen zu Gott [tawakkul] haben
  2. Diejenigen, die Gesetze brechen und eine Straftat begehen

Entweder man hat kein Gottvertrauen [Tawakkul] oder man begeht eine Straftat. Wenn man keinen Gesetzesbruch begangen hat, braucht man auch keine Angst vor einer irdischen Bestrafung zu haben. Wer dennoch ängstlich ist, hat kein Vertrauen zu Gott. Wir sollten uns jedoch immer vor Augen halten, dass die Bestrafung Gottes, die härtere und die größere ist.

Diejenigen, die bei der Errichtung einer Moschee, sich aus Angst Drohungen unterwerfen und nachgeben, sollten sich bewusst sein, dass sie sich vor niemandem zu fürchten brauchen, so lange sie keine Straftat begehen.

Aber wehe, wenn man die Gebote Gottes bewusst missachtet. Wir sollten uns davor hüten und Gott fürchten, anstelle armseligen Menschen. Denn die Rechenschaft im Diesseits gegenüber den gläubigen Geschwistern und am Tage der Auferstehung gegenüber Allah ist gewiss schwieriger. Wir sollten uns davor hüten, die Zufriedenheit Gottes gegen die Zufriedenheit Menschen auszutauschen.

Es ist keine Kunst eine Moschee zu bauen. Und es ist unbedeutend, wie prächtig die Architektur ist, und wie groß eine Moschee gebaut ist, ob sie hohe Minaretten und eine Kuppel hat. Wichtig ist, dass die Moschee ihrer eigentliche Funktion und Mission erfüllt.

Es ist auch nicht zu Befürworten, dass Moscheen sich unbekannt in Hinterhöfen verstecken. Eine Moschee ist viel mehr als ein nur Ort des Gebetes. Sie sollte ein Zentrum sein, in der neben Spiritualität und Gottesdienst, wissenschaftliche und kulturelle Aktivitäten stattfinden.

Und die Moscheen müssen absolut unabhängig von Behörden oder Organisationen sein. Sie sollten sich allein auf das Volk stützen und vom Volk und der Gemeinde getragen werden. Keine staatliche Moschee ist unabhängig und frei im eigentlichen Sinne. Die Imame solch er staatlichen Moscheen können niemals die Wahrheit aussprechen, wenn sie den Interessen ihrer Geldgeber widerspricht. Sie können nicht frei reden. Man diktiert ihnen was sie zu sagen haben und sie sprechen blind nach. Somit werden die Religion, die Moscheen und die Imame den Politikern überlassen.

Doch Moscheen, die sich nur auf die Zufriedenheit Gottes stützen, von der Gemeinde selbst getragen werden, sind frei und unabhängig und können der Gesellschaft nützlich sein.

An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass die oben genannten Besonderheiten und die Aufgaben einer Moschee auch für Synagogen, Kirchen und anderen Gebetshäusern gelten. Die Voraussetzung der Unabhängigkeit eines islamischen Geistlichen gilt auch für jüdische Rabbiner und christliche Pfarrer. Der heilige Qur´an verdeutlicht uns diese Unabhängigkeit, im heiligen Qur´an, am Beispiel einer Moschee.

Ob diejenigen, die dieserzeit in Deutschland Moscheen bauen und bauen lassen, über diese Wahrheiten wissen?

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die nur für Sein Wohlgefallen Moscheen erbauen.

Möge Allah uns von der jeder Art der Sünde fernhalten.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die der Gesellschaft dienliche und nützliche Moscheen errichten.

Oh Barmherziger Gott, stehe uns bei, unseren Glauben und unsere Religion zu bewahren

Oh Allah, zähle uns nicht zu denjenigen, die in der ersten Gelegenheit ihre Religion und ihren Glauben verkaufen!

Und der Friede sei mit jenen, die der Rechtleitung folgen.

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Als PDF: Öffentliche Erklärung von Hudschat-ul-Islam Sabahattin Türkyılmaz zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen im Zusammenhang mit der Fatima Zehra Moschee in Frankfurt

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe friedliebende Mitbürger,

der Friede Gottes sei mit allen, die der Wahrheit folgen und mit denjenigen, die wahren Frieden anstreben. Ich nutze die Gelegenheit der öffentlichen Erklärung, um auf die vielen Fragen und Vorwürfe zu antworten, die in den letzten Tagen gestellt und gegen meine Person erhoben wurden. Ich entschuldige mich im Voraus bei jedem einzelnen Fragenden, dass es mir angesichts der Flut der Fragen nicht möglich ist, jedem Einzelnen persönlich zu antworten, hoffe aber, dass in dieser Erklärung alle Unklarheiten bereinigt werden.

Das Streben nach Frieden

Ich streite niemandem ab, dass er sich für Frieden in seiner näheren Umgebung einsetzt und so bitte ich den verehrten Leser, auch seinem potentiell politischen Gegner dieses Bestreben nicht abzustreiten. Es ist möglich, dass Menschen auf unterschiedlichen Wegen sich für Frieden einsetzen, die vernünftig zu begründen sind, damit das Gegenüber es verstehen kann.

Zweifelsohne ist eine der menschlichen Eigenschaften, mit denen der erhabene Schöpfer den Menschen ausgestattet hat, die Vernunft. Die Vernunft ermöglicht es, Wahres von Unwahrem, Richtiges vom Falschen zu unterscheiden. Es ist der wertvolle Maßstab, auch in kritischen Situationen Frieden anzustreben. Der Heilige Qur’an fordert den Menschen in zahlreichen Versen dazu auf, die ihm im Rahmen der Gnade Gottes anvertraute Vernunft zu nutzen.

Als Abraham (a.) dem Götzendienst Nimrods widersprach, appellierte er an die Vernunft der Menschen, um zu erkennen, dass der Dienst an Götzen in die Irre führt. So ist der große Prophet Abraham (a.) zum Symbol für das Zerstören von versteinerten Götzen geworden, sowohl in den Tempeln des Götzendienstes als auch in den eigenen Köpfen der Menschen; Götzen, die den Blick für die Wahrheit versperren und die Gedanken in Ketten legen.

Als Moses (a.) gesehen hat, wie der Gewaltherrscher namens Pharao die Gedanken seiner Untertanen versklavt hat, um auch ihre Körper zu versklaven, hat er an ihre Vernunft appelliert, um sie zu befreien. Jener Appell hat selbst bei einigen Verantwortungsträgern unter dem Pharao dazu geführt, dass sie ihren unmenschlichen Dienst an der Seite des Unterdrückers aufgekündigt und sich an die Seite der Wahrheit gestellt haben.

Nicht anders verhielt es sich bei der großen Persönlichkeit Jesu (a.), dem Sohn der Maria (a.), der als Geist Gottes im Islam bekannt ist. Er lehrte, dass der wertvollste
Gottesdienst darin besteht, der Menschheit dienlich zu sein. Nur in solch einem heiligen Gottesdienst kann man sich von den äußeren und inneren Götzen befreien.

Prophet Muhammad (s.) kam in einer Zeit auf die arabische Halbinsel, in der die niederträchtigste Form des Götzendienstes zu einer fürchterlichen Form der Versklavung der Menschen geführt hatte. Durch die Einladung zum Monotheismus mit Hinweis auf die Vernunft eröffnete er eine Befreiungstheologie voller Licht für alle Zukunft.

Während allen Unterdrückungssystemen gemeinsam ist, dass sie die Vernunft des Menschen auszuschalten suchen, ist allen wahrhaftigen gottesehrfürchtigen Befreiungsbewegungen gemeinsam, dass sie an die gottgegebene Vernunft des Menschen appellieren, und das haben die Gesandten Gottes in idealer Form vorgelebt. Wohl denen, die das Wort der Wahrheit hören und danach handeln; das ist eine Aussage, die in allen Religionen wiederzufinden ist.

Alle Menschen streben den Wert “Frieden“ an, aber manche glauben, dass er ein eigenständiger Wert ist wie auch der Wert “Freiheit“. Frieden und Freiheit sind aber ohne Gerechtigkeit nicht möglich. Und das Streben nach Gerechtigkeit darf nicht dadurch bekämpft werden, indem man Menschen, die nach Gerechtigkeit rufen, die Meinungsfreiheit entzieht.

Gemeinsame Wertmaßstäbe

Der Staat, in dem wir leben, ist ein demokratischer Rechtsstaat. Eines der bedeutenden Werte eines demokratischen Systems ist die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit gilt als ein so hoher Wert, dass er im Grundgesetz verankert und garantiert wird. Dieses Recht gilt für jedes Individuum in diesem Land. Wann immer man dieses individuelle Recht einem Bürger unrechtmäßig entzieht und wer immer es auch tun möge, es würde sich um eine Unterdrückungsmaßnahme handeln, der man sich entgegen stellen müsste.

Noch schlimmer ist es, wenn man Menschen die Freiheit entzieht, sich selbst ein Urteil bilden zu dürfen. Sobald eine Instanz – welche auch immer sie sei – sowohl als Ankläger als auch als Richter und gleichzeitig als Vollstrecker des Urteils auftritt ohne der Gegenseite auch nur annähernd eine faire Chance zu geben, seine Position darzustellen, liegt eine Unterdrückung vor, die in einem Rechtsstaat unangebracht ist. Auch kann ein Dialog unterschiedlicher Positionen nur dann stattfinden, wenn die eine Seite nicht der anderen vorgibt, was sie zu sagen, zu denken und anzuerkennen hat. Ansonsten handelt es sich nicht um einen Dialog, sondern um eine Unterdrückungsmaßnahme. Annäherung, gegenseitiges Verständnis und konstruktiver Dialog ist aber nur bei gegenseitigem Meinungsaustausch möglich. Die Unterdrückung von Meinungsfreiheit aber schadet der Wahrheitsfindung.

Die Medienkampagne, die in letzter Zeit gegenüber meiner Wenigkeit losgetreten wurde, trägt alle Züge einer Meinungsunterdrückung und ist meines Erachtens mit einem demokratischen System nicht vereinbar. Ist es denn ein Verbrechen, wenn man sich bei dem Konflikt zwischen Reich und Arm, zwischen Mächtig und Schwach, zwischen Hochgerüstet und Hilflos, zwischen Unterdrücker und Unterdrückten auf die Seite der Unterdrückten stellt? Ist es ein Verbrechen, wenn man sich in Deutschland auf die Seite der Menschen stellt, die seit sechs Jahrzehnten unter einer unmenschlichen Besatzung leben? Darf man in Deutschland nicht für das gemeinsame Miteinander von Juden, Christen und Muslimen in einem Staat eintreten? Ist es neuerdings ein Verbrechen in Deutschland, wenn man auf den Artikel 3 (3) des Grundgesetzes hinweist, in dem es heißt: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Darf man diesen universellen Wert nicht auch für andere Staaten verlangen? Wird eine wahre Forderung dadurch falsch, dass sie von denen erhoben wird, die man zum neuen Feindbild erkoren hat?

Als Antwort auf die Medienkampagne gegen meine Person ist Folgendes festzustellen:

  1. Alle meine Reden, Publikationen, Äußerungen im Öffentlichen wie im Privaten erfolgten im Rahmen des Grundgesetzes und bei Einhaltung des deutschen Rechts unter Wahrung meines Rechts auf Meinungsfreiheit. Nie habe ich gegen das Gesetz verstoßen oder dazu aufgerufen. Ganz im Gegenteil habe ich stets gelehrt, dass die Einhaltung der Gesetze in Deutschland sowohl eine staatsbürgerliche als auch eine religiöse Pflicht eines jeden Muslims ist.
  2. Der Vorwurf gegen mich, ich sei antisemitisch, weil ich mich an der polizeilich genehmigten Demonstration des Quds-Tages beteiligt habe und bei dem vorangehenden Freitagsgebet einiges dazu geäußert und auch im Internet veröffentlicht habe, ist eine Falle der Zionisten, die jegliche Kritik am Zionismus mit dem Todschlagargument des Antisemitismus verhindern wollen. Wenn die Demonstration zum Quds-Tag eine antisemitische Demonstration wäre, dann würde man sie nicht über einen Zeitraum von nunmehr drei Jahrzehnten ununterbrochen zulassen! Als muslimischer Geistlicher empfinde ich den Schutz eines jeden Juden gegen die Feindseligkeit von Antisemiten als meine religiöse Pflicht! Aber die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus ist eine Form der Meinungsunterdrückung, durch welchen die Verbrechen des zionistischen Besatzungsregimes vertuscht werden sollen. Solch eine Meinungsunterdrückung ist zwar derzeit sehr effektiv in Deutschland, wird aber von immer geringeren Teilen der Bevölkerung mitgetragen, weil sie den Besatzer gegen den Besetzten, den Unterdrücker gegen den Unterdrückten schützt.
  3. Um es in aller Deutlichkeit und unmissverständlich zu äußern und allen jenen, die meine Worte Missinterpretieren möchten, keine Chance zu geben, erkläre ich hiermit: Ich distanziere mich von jedem Antisemiten und jeder Form von Antisemitismus. Etwaige antisemitische Äußerungen von Teilnehmern bei Kundgebungen, an denen ich teilgenommen habe, entsprechen weder meiner Meinung noch der Meinung der Veranstalter. Anderenfalls hätte ich an der Veranstaltung nicht teilgenommen. Der Antisemitismus ist eine perfide Form des Rassismus, den ich aufs Schärfste verurteile. Gleichzeitig distanziere ich mich vom Zionismus, den ich für eine weitere Form des Rassismus erachte!
  4. Es ist weder diesem Staat noch dem Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen dienlich, wenn bei der Meinungsfreiheit unterschiedliche Maßstäbe zum Tragen kommen. Wenn jegliche Beleidigung des Islam, des Propheten des Islam, selbst die Ablehnung von Gott und aller seiner Propheten unter das Gebot der Meinungsfreiheit fallen und geschützt werden aber die Ablehnung des Zionismus kriminalisiert wird, dann ist das schädlich für die Glaubwürdigkeit der Meinungsfreiheit. Ich selber habe weder von meinen christlichen noch jüdischen Gegenüber bei irgendwelchen Räten und Dialogen verlangt, dass sie sich vom Zionismus distanzieren, bevor ich mit ihnen rede. Von allen denjenigen aber, die mit mir zu tun haben, wird nunmehr verlangt, dass sie sich von mir distanzieren, damit der Dialog weiter gehen kann. Solch ein Dialog erfolgt nicht auf Augenhöhe, sondern verkommt selbst zu einem Werkzeug der Unterdrückung. Wenn das Bekenntnis zum Zionismus die Voraussetzung für Dialog der Religionen ist, dann wird es nie einen aufrichtigen Dialog in Deutschland geben!
  5. Im Rahmen der Auseinandersetzung um meine Person entnahm ich jetzt der Presse, dass inzwischen selbst Forderungen weit über den Zionismus hinaus auch die islamische Kleidung von Muslimas betreffen. In einem Staat, in dem ein freies religiöses Bekenntnis festgeschrieben ist, erscheint eine solche auf Druck und einseitige Unterwerfungsforderung ausgerichtete Vorgehensweise kontraproduktiv und hilft niemandem, bestehende Probleme zu lösen.
  6. Die gesamte Kampagne gegen meine Person reiht sich nahtlos in den Rahmen des neuen Feindbildes Islam und Muslime in Deutschland und Europa. Die Betreiber dieser Kampagnen übersehen aber, dass der Fortbestand der europäischen Gesellschaften ohne Muslime nicht mehr sicher zu stellen ist und die zukünftigen Renten auch durch muslimische Arbeiter sicher gestellt, die zukünftige Konsumenten auch muslimische Konsumenten und die zukünftigen Fachkräfte auch muslimische Fachkräfte sein werden. In diesem Rahmen ist es längst an der Zeit, ein konstruktives problemorientiertes Umdenken auf Basis von Vernunft walten zu lassen.
  7. Wahre Integration geht von denen aus, die sich innerhalb der zu integrierenden Gesellschaft befinden. Während unsere Anstrengungen und Erfolge auf dem Weg der Integration nicht zu leugnen sind, besteht das Integrationsgetöse von jenen, die sich gegen den Islam und die Muslime stellen, nur darin, jegliche wahre Integration zu verhindern und Unterwerfung zu fordern. Bei aller Feindschaft, die aber heute dem Islam entgegen gebracht wird, ist der einzige Weg ein gemeinsamer Weg der Vernunft unter Berücksichtigung zukünftiger Entwicklungen.
  8. Unsere Beziehung zur Islamischen Republik Iran wird aufgebauscht und angegriffen. Wir haben aber niemals geleugnet, dass wir eine religiöse Beziehung zu den hohen geistlichen Würdenträgern des Islam, insbesondere der Schia, stets gepflegt haben. Ist es nicht selbstverständlich, dass ein Geistlicher Beziehungen zu höherrangigen Geistlichen in der ganzen Welt pflegt? Wird christlichen Geistlichen vorgeworfen, Beziehungen zum Vatikan zu unterhalten oder jüdischen Geistlichen, Beziehungen zu Israel zu unterhalten obwohl Israel – auch nach deutschen Maßstäben – seit Jahrzehnten eine Besatzungsmacht ist? Warum dürfen wir keine Beziehungen zu hohen geistlichen Würdenträgern auf einer moralisch-religiösen Ebene unterhalten, ohne dafür verurteilt zu werden? Wir unterhalten diese Beziehungen zu hohen geistlichen Würdenträgern im Iran, im Irak, in Deutschland und anderenorts! Dass wir hingegen auf einer organisatorischen oder finanziellen Ebene keinerlei Abhängigkeit von anderen Staaten haben und von diesen auch nicht unterstützt werden, ist leicht nachzuweisen! Es ist ein Bestandteil der Schia im Islam, dass die Geistlichkeit stets einen großen Wert auf Unabhängigkeit gelegt hat.
  9. Mein persönlicher Einsatz in einer zunehmend auf Krieg ausgerichteten Welt wird der Einsatz für Frieden auf Basis von Gerechtigkeit sein. Dies ist ein religiöses Gebot, das durch keine noch so schmutzige Kampagne aufgehalten werden kann – so Gott will.

Die hasserfüllte Schmutzkampagne gegen meine Person und die Hz. Fatima Zehra Moschee (a.) in Frankfurt hat uns nach einigen internen Sitzungen zu folgenden Schlüssen geführt:

Die Hz. Fatima Zehra (a.) hat mir ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass der äußere undemokratische Druck auf die Moschee, die Gemeinde, den Vorstand der Moschee und zuweilen sogar unbeteiligten Familienangehörigen ein Maß erreicht hat, dass ein maßgeblicher Schaden für die Moschee, den Baufortschritt und die Gemeinde nicht ausgeschlossen werden kann. Der sogenannte öffentliche Druck wurde in Form von Drohungen gewandelt, welche dem friedlichen Miteinander zuwiderläuft.

Zum Schutz der Gemeinde, der gesegneten Moschee, zum Schutz aller beteiligten Familien, der Muslime der Stadt und zum Schutz des – wenn auch nunmehr beschädigten – Dialogs trete ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen Posten im Zusammenhang mit der Fatima Zehra Moschee zurück.

Unsere Vorbilder machen es uns vor, dass in einer Situation der Unterdrückung das persönliche Schicksal unbedeutend ist gegenüber dem Schicksal des Gemeinwohls. Wir sind liebende der Wahrheit und der Opferbereitschaft der muslimischen Vorbilder, wie es Imam Husain (a.) war. Auch wenn unser vergleichsweise geringes Opfer nicht im Geringsten mit den großem Opfer der islamischen Vorbilder vergleichbar ist, so wird der Rücktritt mit der Hoffnung verbunden, dass die Anhänger der Religion des großartigen Moses (a.), die Anhänger der Religion des großartigen Jesus (a.) und die Anhänger der Religion des großartigen Muhammad (s.) eines Tages erkennen mögen, dass Wahrheit nur mit wahrhaftigen Mitteln zu verteidigen ist und Falschheit sich durch falsche Mittel offen legt. Gott bedarf meiner nicht, für welche Aufgabe auch immer, aber ich bedarf Seiner, um in der Gnade Gottes, Gnade zu empfangen und leben zu können.

Ich bete zum Allmächtigen, dass alle unter Unterdrückung leidenden Menschen bald Befreiung erlangen werden. Ich bete zur Quelle aller Gnade, dass Er die Menschheit schon bald mit Seinem Erlöser gnadenreich beglücken werde, damit Gerechtigkeit wieder ein Wert wird, der Einzug in die Welt erhält. Und ich bete zum Verheißenden aller Verheißungen, dass Er mit dem Erlöser schon bald die Dunkelheit durch das Licht ersetzen möge, so dass die friedliebenden Menschen besser zueinander finden.

Alle Dankbarkeit gebührt dem Herrn der Welten. Und Er ist es, der uns zum Dank an Mitmenschen auffordert, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Daher gilt mein Dank abschließend den vielen Menschen, die sich dieser Tage so intensiv für meine Wenigkeit und den friedvollen Dialog eingesetzt haben. Möge Gott sie alle für Ihre Bemühungen lohnen.

Der Friede sei mit jenen, die der Wahrheit folgen.

Sabahattin Türkyılmaz

21.02.2010 Frankfurt

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Als PDF: Integration im heiligen Qur´an – Freitagsansprache 19.02.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

وَلِكُلٍّ وِجْهَةٌ هُوَ مُوَلِّيهَا فَاسْتَبِقُوا الْخَيْرَاتِ أَيْنَ مَا تَكُونُوا يَأْتِ بِكُمُ اللَّهُ جَمِيعًا إِنَّ اللَّهَ عَلَى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

 Jeder hat eine Richtung, der er sich zuwendet. So wetteifert miteinander in den Gütigen. Wo immer ihr auch seid, Allah kommt zu euch allesamt; wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge.[i]

 

Imam Dschawad (a.) sagte:

Wer auf Gott vertraut, dem wird Gott Freude uns Zuversicht schenken. Wer an Gott festhält, dem wird Gott in allen Angelegenheiten Genüge tun.[ii]

Integration im heiligen Qur´an

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

In unserer letzten Ansprache haben wir versucht zu verdeutlichen, dass die Bedeutung von Integration klarer und einsichtiger erklärt und verstanden werden muss. Jeder stellt sich unter Integration etwas anderes vor. Es muss eine einheitliche und allgemein übereinstimmende Definition für den Begriff „Integration“ gefunden werden. Im Allgemeinen versteht man unter Integration, die Anpassung von Menschen mit einer anderen Kultur, Religion und Sprache in eine andere, neue Gesellschaft und Kultur, in der sie leben möchten, unter der Voraussetzung, die Realitäten der der Gesellschaft zu beachten.

Ein wichtiger Punkt bei der Integration und eine und eine Voraussetzung für deren Erfolg, ist die Bereitschaft der Aufnehmenden Gesellschaft, die zu integrierende Menschengruppe, zu akzeptieren. Wenn die Religion, Kultur oder die Sprache der Immigranten keinen Bruch der Gesellschaftsordnung darstellen, müssen diese Menschen akzeptiert und von der Gesellschaft aufgenommen werden. Eine gegenseitige Solidarität und Es müsste unter ihnen eine gegenseitige Loyalität und ein harmonisches Verhältnis aufgebaut werden.

Der Islam beschreibt die Integration als „das harmonische Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Abstammung, Kultur und Religion, in Einklang und der gegenseitigen Bereicherung von der anderen Kultur.

Im heiligen Qur´an lesen wir wie folgt:

يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَاكُم مِّن ذَكَرٍ وَأُنثَى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوباً وَقَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِندَ اللَّهِ أَتْقَاكُمْ إِنَّ اللَّهَ عَلِيمٌ خَبِيرٌ

Oh ihr  Menschen,  wir haben euch aus Männlichem und  Weiblichem erschaffen und euch  zu Völkern und Stämmen  errichtet, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor  Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich,  Allah ist Wissend, Kundiger. [iii]

Wir möchten einige wichtige Punkte dieses Verses näher erörtern:

1. „Oh ihr Menschen…“

Zum Beginn des Verses spricht Gott die Menschen an. Der Vers spricht in erster Linie alle Menschen an. Er ist an die gesamte Menschheit gerichtet, nicht nur an Muslime oder Gläubige. Jeder Mensch ist hier angesprochen.

Dann geht es weiter im Vers:

2. „… wir haben euch aus Männlichem und  Weiblichem erschaffen…“

An dieser Stelle sehen wir, dass der Ursprung und die Quelle aller Menschen dieselbe ist. Die gesamte Menschheit ist durch Gott / Allah erschaffen worden und nur Er kennt die Bedürfnisse seiner Geschöpfe am besten. Der Schöpfer kennt die Eigenschaften und Besonderheiten des Menschen; Er kennt die seelischen, geistigen, materiellen und spirituellen Bedürfnisse des Menschen. Er (Allah) weiß, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Ferner verdeutlicht uns dieser Vers, dass die Fortpflanzung der Menschheit durch einen Mann und einer Frau erfolgt und daraus resultiert, dass alle Menschen, mit denselben Eigenschaften versehen sind. Zu jeder Zeit sind alle Menschen immer mit den gleichen Eigenschaften ausgerüstet. Jeder Mensch hat die Fähigkeit menschliche Werte zu verstehen, die gute Moral zu erkennen und das Gute vom Bösen zu trennen. Der gemeinsame Punkt aller Menschen ist die Tatsache, dass sie Menschen sind. Ob Mann oder Frau, ob weis oder farbig!

 Weiter geht es in der Ayat wie folgt:

„…und euch  zu Völkern und Stämmen  errichtet,…“: Es gibt auch bestimmte Eigenschaften und Besonderheiten, die die Menschen voneinander trennen. Als Beispiel könnten man ihre Abstammung, ihre Sprache, ihre Völker und ihre Kultur, nennen. Diese Unterschiede aber betreffen nur den materiellen Teil des Menschen und nicht den Geist und die Seele. Unterschiedliche Abstammung, Sprache oder Kultur sollten aber niemals Grund für getrennte Wege oder Anfeindungen führen. Diese Unterschiede sind eher ein Mittel und ein Instrument für die Vervollkommnung des Menschen. Denn Unterschiede sind eine Bereicherung und eine göttliche Gabe für die Menschheit. Aus diesen Unterschieden sollte bestmöglich profitiert werden und diese göttliche Gabe sollte nicht ungenutzt bleiben.

Daher heisst es auch weiter im Vers:

„… auf dass ihr einander erkennen möget…“

Der heilige Qur´an lehrt uns an dieser Stelle, dass der Grund für die Erschaffung unterschiedlicher Stämme und Völker, das gegenseitige Kennen lernen ist. Das beiderseitige erkennen ist der erste Schritt für eine Annäherung und einer gegenseitigen Bereicherung. Damit sich die Menschen unterschiedlicher Völker aber untereinander erkennen und kennenlernen können, müssen sie aufeinander zugehen und miteinander leben.

Im heiligen Qur´an lesen wir über Dialog und Beziehungen, wie folgt:

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ ءَامَنُوا اصْبِرُوا وَصَابِرُوا وَرَابِطُوا وَاتَّقُوا اللَّهَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ

Oh ihr, die ihr überzeugt seid, übt Geduld und wetteifert in Geduld und „bleibt in Bezug / Dialog“ und fürchtet Allah; vielleicht werdet ihr erfolgreich sein. [iv]

Allah ruft die Menschen dazu auf, bei Problemen und persönlichen Schwierigkeiten, Geduld zu üben und standhaft zu bleiben. Im gesellschaftlichen Leben gebietet Er den Menschen sich einander die Geduld zu empfehlen. Am Ende des Verses wird der Dialog und die Solidarität angesprochen. وَرَابِطُوا, bleibt im Dialog / Beziehung.

Der Islam und der heilige Qur´an empfehlen stets den Dialog und das gemeinsame Miteinander. Es bedarf des Dialoges und des Austausches, damit sich die Menschen untereinander kennenlernen können und von den Bereicherungen der anderen Kultur, Sprache und Besonderheiten profitieren zu können. Das Kennenlernen kann nur durch einen vorurteilsfreien Dialog geschehen. Es ist nicht möglich, sich einer Kultur integrieren zu wollen, ohne die Sprache, die Religion und die Kultur der Gesellschaft zu kennen oder erkennen zu wollen.

Der Vers endet wie folgt:

„…Wahrlich, vor  Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich,  Allah ist Wissend, Kundiger.“

Nachdem der Schöpfer allen Seins die Menschen erschuf und sie in Stämmen und Völkern unterteilte, fordert Er sie wieder auf, sich näher zu kommen. Dass Stämme und Völker voneinander getrennt sind, bedeutet nicht, dass sie für immer getrennt bleiben sollen. An dieser Stelle der Ayat wird unterstrichen, dass weltliches Gut und materieller Reichtum keine Tugend und keine Überlegenheit darstellen. Der eigentliche Vorrang ist erst durch die Gottesehrfurcht erreicht. Und bei Gott hat der Gottesfürchtigste das höchste Ansehen, egal welcher Nationalität er angehört.

Der heilige Qur´an sieht vor, dass die Menschen unterschiedlicher Nationen die anderen Kulturen, Sprachen und Zivilisationen kennen lernen und gemeinsam in Frieden, zusammen leben. Der heilige Qur´an ist gegen eine Assimilation von Menschen in fremde Kulturen. Der heilige Qur´an lehnt auch die Bildung einer Parallelgesellschaft ab, die sich vom gesellschaftlichem Leben abkapselt. Der Islam will, dass sogar geographisch weit entfernt liegende Gesellschaften, sich näher kommen und nicht voneinander getrennt leben.

Oh Allah, führe uns den wahren Weg

Oh Allah, zähle uns zu Deinen Dienern, die Geduld üben und zu Standhaftigkeit einladen

Oh Herrgott, zähle uns zu Deinen Gottesehrfürchtigen Dienern.

   „Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

 


[i] Heiliger Qur´an, Al Baqarah, 148

[ii] Bihar-ul-Anwar, B.75, S.79

[iii] Heiliger Qur´an, Al Hudschurat 13

[iv] Heiliger Qur´an, Aal Imran, 200

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Als PDF:Islam und Integration – Freitagsansprache 12.02.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَاكُم مِّن ذَكَرٍ وَأُنثَى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوباً وَقَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِندَ اللَّهِ أَتْقَاكُمْ إِنَّ اللَّهَ عَلِيمٌ خَبِيرٌ

Oh ihr  Menschen,  wir haben euch aus Männlichem und  Weiblichem erschaffen und euch  zu Völkern und Stämmen  errichtet, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor  Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich,  Allah ist Wissend, Kundiger. [i]

Prophet Mohammed (s.) sagte:

Alle Menschen sind der Haushalt Gottes, und die beliebtesten von ihnen vor Gott sind diejenigen, die diesen Haushalt den größten Nutzen erbringen. Keiner von ihnen ist vorzüglicher als der andere, es sei denn in Frömmigkeit und guten Taten.[ii]

Islam und Integration

Zweifelsohne ist die Integration eines der wichtigsten Themen und Herausforderungen unseres Zeitalters für alle Gesellschaften weltweit. Das Problem der Integration entsteht erst durch die Immigration und Übersiedelung, durch Umzug und Einwanderung in ein anderes Land. Doch Integration ist nicht nur das Problem der Immigranten, sondern betrifft jeden von uns geht jeden Menschen an.

Die Ein- und Auswanderungen geschehen heutzutage auf legalem, wie auch auf illegalem Weg. Dies allein ist schon ein beschwerliches Problem, das gelöst werden will.

Weshalb geschehen Auswanderungen und Umsiedelungen? Was sind die Gründe dafür? Benötigen Einwanderungsländer, tatsächlich die Immigranten? All diese Fragen müssten untersucht und beantwortet werden.

Heute aber wollen wir über die Integration sprechen. Da Europa und insbesondere Deutschland am meisten Immigranten weltweit aufnehmen, ist dieses Thema hier besonders aktuell und wird zu einer wichtigen Herausforderung für die Gesellschaft. Und dieses Problem muss gelöst werden. Es darf nicht vergessen werden, dass Menschen, die hierher übersiedeln, ihre Eigene Sprache, Kultur, Zivilisation und Religion mit sich bringen.

Das Grundthema der Integration ist die “Akkulturation”. Akkulturation bezeichnet das Hineinwachsen einer Person in ihre kulturelle Umwelt und die Beeinflussung einer Kultur von einer anderen Kultur. Anders ausgedrückt ist es die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen voneinander. Wie soll die Akkulturation von Menschen, die von einer anderen Kultur in die neue Kultur kommen, geschehen? An diesem Punkt kommt das Problem der Integration in den Vordergrund.

Wie sollte die Akkulturation stattfinden?

Akkulturation können wir mit einigen Begriffen erklären:

a) Integration: “Herstellung eines Ganzen”. Integration bedeutet das Zusammenleben in Harmonie und Einklang, einer Person oder einen Personengruppe in einer anderen Gesellschaft, ohne die eigene Kultur ganz aufzugeben. Die Essenz der Integration ist das Bemühen der Person mit den kulturellen Gepflogenheiten zusammen zu wachsen und ein Teil der Gesellschaft werden zu wollen.

b) Assimilation: Verschmelzung einer Minderheit in die Mehrheit. Assimilation kann man auch wie folgt beschreiben: Die Aufgabe der eigenen Identität und die vollkommene Aufnahme der Kultur der Merheitsgesellschaft und der Wunsch, einer von der Gesellschaft und der neuen Kultur zu sein.

c) Separation / Segregation: Unterschiedlich sein, Anders sein, sich trennen usw.

Segregation bezeichnet den Vorgang der Entmischung von unterschiedlichen Elementen. Das bewusste Beharren auf die eigene Kultur und Identität und der Wunsch, sich von der Mehrheitsgesellschaft zu trennen und der Kultur der Gesellschaft fern zu bleiben. In diesem Fall kann es nicht zu einem Einklang mit der Gesellschaft kommen und es werde kaum Bemühungen für ein gemeinsames Miteinander und einer Integration zu sehen sein.

d) Marginalisation: Randgruppen der Gesellschaft. „Parallelgesellschaften“ . Marginalisierung ist ein Prozess, bei dem Bevölkerungsschichten an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und dadurch noch weniger am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Was ist mit Integration in unserer Gesellschaft gemeint?

Welche der oben aufgeführten Definitionen bezwecken wir, wenn wir von Integration sprechen?

Was sind die Ziele der Integration?

Wenn wir nicht erst die Absicht und das Ziel mit der Integration definieren, können wir auch kein befriedigendes Ergebnis zur Lösung haben. Das Hauptproblem der Integration und weshalb wir es nicht lösen können, liegt darin, dass jeder unter Integration etwas anderes versteht.

Einige verwenden zwar den Begriff der Integration, meinen aber die Assimilation. Andere verstehen die Integration als Assimilation und stellen aus Angst der Assimilation eine marginale Gruppe dar. Einige fühlen sich gezwungen, sich zu trennen um die eigene Sprache und Kultur zu bewahren und bedienen sich der Segregation. Wenn wir eine Einheitliche Meinung über die Integration bilden können, wird der Prozess der Integration auch leichter sein.

Wichtiger erscheint hier, die Integration der Kinder von Immigranten. Wie soll die neue Generation integriert werden? Besser gesagt, bedürfen sie überhaupt einer Integration? Sollen nur Muslime integriert werden, oder alle Ausländer und Immigranten?

Der erste Schritt der Integration wäre die Beantwortung dieser Fragen. Dieses Fragen sollen mit Transparenz, offen und klar beantwortet werden, damit die Thematik verständlich wird und gezielt nach Lösungen gesucht werden kann.

Der zweite Schritt wäre die Aufklärung der Gesellschaft und der Menschen über diese Themen. Jeder betrachtet diese Problematik aus seiner eigenen Perspektive, aus der Sicht seiner Weltanschauung. Wir werden die Angelegenheit aus der Sicht der Religion betrachten. Was bedeutet Integration aus der Sicht der Religion? Was ist die Meinung der Religion über Integration? Hat die Religion einen Plan für die Lösung des Problems der Integration?

Wenn wir die Integration aus der Sicht des Islam´s betrachten, sehen wir, dass der Islam, die “Integration” befürwortet. Der Islam lehnt es ab, eine Randgruppe oder eine Parallelgesellschaft darzustellen. Ganz im Gegenteil empfiehlt der Islam, das harmonische und friedliche Miteinander in der Gesellschaft. Die religiösen Pflichten der Muslime stellen keine Hindernisse für die Integration, dar.

Sowohl im heiligen Qur´an als auch durch Überlieferungen des Propheten Muhammed (s.) und den reinen Imamen (a.) wird klar, dass der Islam alle Muslime, sogar die ganze Menschheit zu einem harmonischen und friedlichen Zusammenleben einlädt. In den nächsten Ansprachen wollen wir versuchen darzulegen, wie diese Themen im heiligen Qur´an und den Überlieferungen behandelt werden.

Möge Allah uns vom geraden Weg nicht trennen.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die die Wahrheit sehen und verstehen.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die der Gesellschaft nützlich sind.

„Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“


[i] Heiliger Qur´an, Al-Hudschurat, 13

[ii] Al Kafi: Bd. 2, S. 164, Bab al-Ihtimam, H.Nr.: 6

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Als PDF: Das Ziel der Schöpfung – Freitagsansprache 05.02.2010

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“

 Gepriesen sei Allah, der Erhabene und der Herr der Welten und Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten.

Ich rate mir selbst und Ihnen zu Frömmigkeit und Gottesfurcht.

 يَاأَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ وَالَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

 Oh ihr Menschen, dient eurem Herrn, demjenigen, der euch erschaffen hat und diejenigen vor euch, damit ihr gottesfürchtig sein möget. [1]

 Imam Mahdi (a.) sprach:

„Allah der Erhabene hat die Geschöpfe nicht sinnlos erschaffen und Er hat sie nicht vergebens vernachlässigt.“ [2]

Das Ziel der Schöpfung

Liebe Gläubige, sehr geehrte Geschwister im Islam,

In unserer letzten Freitagsansprache haben wir festgestellt, dass eines der Probleme unserer Gesellschaft und unserer Zeit die Ziellosigkeit oder die falsche Orientierung der Menschen ist. Die falsche Orientierung verursacht sowohl individuelle Probleme als Gesellschaftliche und globale Probleme und Konflikte.

Jeder Mensch sollte sich einmal fragen, warum er überhaupt erschaffen worden ist. Die jeweilige Antwort auf diese Frage zeigt, in welchem Ausmaß ein Mensch die Weisheit der Schöpfung verstanden hat. Sie verdeutlicht uns aber auch die „Weltanschauung“ jenes Menschen oder die „Perspektive seiner Weltanschauung“. Ein jeder Mensch regelt die Art und Weise wie er lebt oder leben möchte, nach dem seiner Weltanschauung. Die Weltanschauung eines Menschen bestimmt seinen Lebensstil. Wenn seine Weltanschauung eine materialistische ist, wird sein Lebensprogramm dementsprechend von der materialistischen Denkweise geprägt.

Wenn seine Weltanschauung eine kapitalistische ist, wird der Kapitalismus sein Leben beeinflussen.

Wenn der Mensch aber, eine göttliche Weltanschauung besitzt, so wird er die Führung seines Lebens, seines Tun´s  und seines Handelns gemäß den Vorgaben Allah´s regeln.

Kurz: Die Ideologie, der ein Mensch folgt, formt sein Leben. Alle Gesetze und Regeln des individuellen und gesellschaftlichen Lebens werden durch diese Ideologie beeinflusst.

Die Religion lehrt uns, dass die Weltanschauung des Menschen eine göttliche sein sollte. Hier ist es notwendig, die Weisheit und den Sinn der Schöpfung zu untersuchen und zu verstehen. Denn Sinn und das Ziel der Schöpfung des Menschen, weiß der Schöpfer am besten. Und nur der Schöpfer allein, hat das Recht, das Ziel des Menschen festzulegen.

Die Religion lehrt uns, dass Gott den Menschen erschaffen hat. Mittels Propheten und Gesandten verkündete uns Gott, der Schöpfer allen Seins, dass Er mit der Schöpfung des Menschen ein Ziel hat.

Allah, der Erhabene offenbart an mehreren Stellen des heiligen Qur´ans, dass Er der Schöpfer allen Seins ist, und er offenbart, dass er alles Erschaffene für den Menschen erschaffen hat.

 هُوَ الَّذِي خَلَقَ لَكُمْ مَا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا ثُمَّ اسْتَوَى إِلَى السَّمَاءِ فَسَوَّاهُنَّ سَبْعَ سَمَوَاتٍ وَهُوَ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ

 Er ist derjenige, der für euch auf der Erde erschaffen hat allesamt; als dann wandte Er Sich den Himmeln zu und richtete sie zu sieben Himmeln auf; und Er ist aller kundig. [3]

Alles Erschaffene ist nur erschaffen worden, damit der Mensch sein Schöpfungsziel erreichen kann. Sogar die Engel stehen dem Menschen zu Diensten, damit er sein Ziel erreichen kann.

Der heilige Qur´an verkündet das Schöpfungsziel des Menschen mit einem Anfang und einem Ende. Und von Zwischenstationen wird ebenso berichtet.

 الَّذِينَ إِذَا أَصَابَتْهُمْ مُصِيبَةٌ قَالُوا إِنَّا لِلَّهِ وَإِنَّا إِلَيْهِ رَاجِعُونَ

 1. Die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.[4]

 

يَا أَيُّهَا الْإِنسَانُ إِنَّكَ كَادِحٌ إِلَى رَبِّكَ كَدْحاً فَمُلَاقِيهِ

Oh du, der Mensch! Du strebst mit aller Mühe deinem Herrn zu; und du sollst Ihm begegnen. [5]

 Diese Verse des heiligen Qur´an´s verkünden, dass der Mensch sich auf einer Reise befindet. Von seiner Geburt bis zu seinem Tod befindet sich der Mensch auf einer Reise und wird schließlich zu Gott zurückkehren. Die Schöpfung hat ein Beginn und ein Ende. Und der Mensch ist wie ein Reisender. Der Mensch ist kein Wesen, was zufällig entstanden ist und zufällig wieder verschwinden wird.

الَّذِي خَلَقَ الْمَوْتَ وَالْحَيَاةَ لِيَبْلُوَكُمْ أَيُّكُمْ أَحْسَنُ عَمَلاً وَهُوَ الْعَزِيزُ الْغَفُورُ

 

2. Derjenige, der den Tod erschaffen hat und das Leben, er prüft euch, welcher von euch wohlgefälligstes verrichte; und er ist der Erhabene, der Allvergebende. [6]

 Diese Ayah verkündet, dass es bestimmte Erwartungen von dem Menschen gibt, die er zu erfüllen hat. Es verkündet, die Wohlgefälligsten Taten zu verrichten und sich dementsprechend von schlechten Taten fernzuhalten.

 وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالْإِنسَ إِلَّا لِيَعْبُدُونِ

 

3. Und nicht habe ich die Dschinn und die Menschen erschaffen, außer damit sie mir dienen. [7]

Gott zu dienen ist nicht nur mit den Ritualgebeten und allgemein bekannten Gottesdiensten beschränkt. Sie erfasst alle Bereiche des Lebens und alle Handlungen des Menschen.

Diese oben genannten Ziele der Schöpfung des Menschen sind nur Anfangsziele oder Zwischenziele. Das endgültige Ziel des Menschen ist die Stellung des Stellvertreter Allah´s  zu erreichen. Allah, der Erhabene will, dass der Mensch Sein Stellvertreter [خَلِيفَةً ] auf Erden wird.

Allah offenbart imheiligen Qur´an, als Er Adam (a.s) schuf:

 وَإِذْ قَالَ رَبُّكَ لِلْمَلَائِكَةِ إِنِّي جَاعِلٌ فِي الْأَرْضِ خَلِيفَةً قَالُوا أَتَجْعَلُ فِيهَا مَنْ يُفْسِدُ فِيهَا وَيَسْفِكُ الدِّمَاءَ وَنَحْنُ نُسَبِّحُ بِحَمْدِكَ وَنُقَدِّسُ لَكَ قَالَ إِنِّي أَعْلَمُ مَا لَا تَعْلَمُونَ

 Und als dein Herr zu den Engeln sprach: Ich werde errichten auf der Erde einen Stellvertreter; Sie sagten: Errichtest Du auf ihr jemanden, der auf ihr Unheil anrichtet und die Blute vergießt, wo wir doch Dich loben in deiner Dankpreisung und Deine Herrlichkeit rühmen? Er sagte: Wahrlich, Ich weiß, was ihr nicht wisset.[8]

Das eigentliche und endgültige Ziel der Schöpfung ist gemäß dieser Ayat des heiligen Qur´an´s, die Stellvertreterschaft Allah´s.

Es ist unumgänglich, dass der Mensch für sich und für die Gesellschaft ein Problem darstellt, wenn er diesem Schöpfungsziel nicht folgt und sein Leben zum Erreichen dieses Zieles nicht regelt und plant. Auch wenn in der Gesellschaft die besten Gesetze herrschen und alternativlos erscheinen, wird der Mensch auf der Erde kein friedliches Leben führen können, solange er sich nicht dem eigentlichem Ziel der Schöpfung widmet.

Unsere heutige Welt hat sich von diesem erhabenen Ziel weit entfernt. Die Menschen und Gesellschaften müssen sich über das Ziel und dem Sinn der Schöpfung Gedanken machen, diese lernen und lehren. Die Ziellosigkeit und falsche Orientierung, die zu der Entstehung von Problemen führt, muss durch Aufklärung über den eigentlichen Sinn der Schöpfung bekämpft werden, um somit das Heranwachsen einer gesunden Gesellschaft erreichen zu können.

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die den Sinn der Schöpfung erkennen

Möge Allah uns zu denjenigen zählen, die sich um den Wohl ihrer Gesellschaft bemühen

 „Der Friede sei mit Euch und Allahs Barmherzigkeit und Seine Gnade“

 


[1] Heiliger Qur´an, Al-Baqarah, 21

[2] Bihar-ul-Anwar, Band 53, S. 194

[3] Heiliger Qur´an, Al-Baqarah, 29

 

[4] Heiliger Qur´an, Al-Baqarah, 156

[5] Heiliger Qur´an, Al-Inschiqaq, 6

[6] Heiliger Qur´an, Al-Mulk, 2

[7] Heiliger Qur´an, Al-Dhariat, 56

 

[8] Heiliger Qur´an, Al-Baqarah, 30

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